Interessante Waldgebiete in Mecklenburg-Vorpommern

- Pilze gibt es in jedem Biotop -


Pilze suchen an der Ostsee. Waldgebiete in Mecklenburg-Vorpommern.

12.12.2019 - Lesezeit ca. 12 min.

Pilze suchen wir überall und ebenso findet man auch überall Pilze. Es gibt aber einige Ecken die besuchen wir relativ häugig und gerne. Einige Gebiete werden wir hier vorstellen und in Zukunft folgen natürlich noch die Bilder zu den Wäldern. Wer mal in der Gegend ist und gerne gemeinsam losziehen möchte, dann einfach im Vorfeld eine E-Mail schreiben und vielleicht bekommt man es zeitlich hin.

 

Der Haushaltforst

Es handelt sich um ein dreiteiligen thermophilen Wald, zwischen Wismar und Schwerin. Der Baumbestand wird von Buchen, Eichen und Hainbuchen dominiert, auf überwiegend schwerem, lehmigen und teils kalkhaltigem Boden. Von dem ehemals großen zusammenhängenden Waldgebiet sind heute durch Landwirtschaft, Forst und Straßen nur noch 3 kleinere Wälder übrig. Ein Teil bei der Ortschaft Bad Kleinen, einer zwischen Lübstorf und dem Schloss Wiligrad am Schweriner See und der Dritte zwischen den Dörfern Alt Meteln und Zickhusen. Voraussetzung für diese Wälder sind Regen und davon reichlich. Im Frühling und Sommer muss es schon ausgiebig regnen, damit hier was passiert. Wenn es aber so kommt, dann speichert der lehmhaltige Boden die Feuchtigkeit sehr lange und man kann hier auch im Hochsommer, bei langer Trockenheit fündig werden. In dem Teilgebiet am Schweriner See beginnt die Pilzsaison schon im Frühling mit den Morcheln. Bei schönem Wetter den wunderbaren Blick über den See genießen und nebenbei hier, und da eine Morchel in den Korb legen. Was will man mehr? Aber auch seltene Fingerhut-Verpeln und der in Mecklenburg-Vorpommern sehr seltene Kronenbecherling (Sarcosphaera coronaria) scheinen sich an den Steilhängen zum Seeufer wohlzufühlen. In den anderen Laubwäldern, wurden ab den Frühsommer, neben den bekannten Speisepilzen auch schon recht seltene Pilzarten gefunden, wie der Schwarzhütige Steinpilz, Schmarotzer-Röhrling, Anhängsel-Röhrling, Milch-Brätling, Satansröhrling, der fahle Röhrling, gelbporige Raufußröhrling, Eichhase, Schönfuß-Röhrling, Herkuleskeule, Strubbelkopf-Röhrling, Hainbuchen-Raufußröhrling und grüngefelderte Täublinge. Es lohnt sich fast immer in diesem Wald, nicht nur für Speisepilzsammler, auch für Freunde von Schlauchpilzen und seltenen Arten.

 

Hütter Wohld

Ein schönes Naturschutzgebiet um die Hütter Klosterteiche und ein sehr abwechslungsreiches Waldgebiet. Es liegt ca. 10 Kilometer westlich von der Hansestadt Rostock und ca. 4 Kilometer von der Ortschaft Bad Doberan. Der Wald hat eine Größe von knapp 60 Hektar und ist alles andere als langweilig. Unterschiedliche Biotope wechseln sich ab. Erst ist man in einem Buchen- Eichenwald und kurze Zeit später ist man in einer Hügellandschaft angekommen. Diese Hangterrassen sind immer eine gute Adresse, wenn man auf der Suche nach Pilzen ist. Eben noch im hügeligen Tal, steht man auf einmal in einem der vielen Feuchtbiotope, die es hier gibt. Mehrere kleine Teiche mitten im Wald, die teilweise durch kleine Gräben miteinander verbunden sind. Dort wo es das ganze Jahr über feucht ist, stehen Erlen, Eschen und Espen. Nachdem der Boden einen Meter höher wieder wesentlich trockener wird, kommen Bereiche mit Mischwald. Alle paar Meter was anderes. Buchen, Fichten, Pappeln, Eichen, Lärchen, Ahorn, Kiefern, es wirkt wie eine bunte Mischung aus Allem. Aus der Sicht von Pilzsammlern ist das natürlich super und vielversprechend. Leckere Herbsttrompeten, Pfifferlinge oder Steinpilze, die Artenliste von Pilzen in diesem Gebiet ist lang und es ist bestimmt für jeden was dabei. Auch große Pilzraritäten, die man sonst kaum in Mecklenburg-Vorpommern zu Gesicht bekommt, kann man hier finden. So wurde hier unter anderem schon der legendäre Satansröhrling gefunden, der in M-V nur an ganz wenigen Standorten nachgewiesenwurde. Ein wirklich tolles Waldgebiet, wer in seinem Urlaub gerne in der Natur unterwegs, findet hier bestimmt einige ruhige Minuten zum entspannen.

 

Kiefernforst bei Jesendorf

Ein Nadelforst in Nordwest-Mecklenburg, ca. 20 Kilometer südöstlich von der Hansestadt Wismar entfernt. Der angrenzende Wald in Richtung Tarzow, ist geprägt von Kiefern auf sandigem Boden. Es gibt auch einige kleine Fichtenparzellen und um den Tarzower See herum ergänzen auch Buchen, Birken, Eichen und Weiden die Gehölzliste. Die allgemeine Artenvielfalt in diesem Gebiet würde ich, abgesehen von den Frühlingsmonaten als eher dürftig bezeichnen. Zumindest für die Speisepilz-Sammler. Wenn aber ab Mitte März, die Schneeschmelze beginnt und der erste Huflattich gelb an den Waldwegen blüht, ist es in diesem Wald durchaus interessant. Die Lorcheln mögen diese sandigen Kiesböden sehr gerne, aber auch die Spitz-Morchel mag diese und mit etwas Glück kann man sie hier auch finden. Zuerst erscheinen ab Mitte März die knallroten Österreichischen Prachtbecherlinge und Scheibenlorcheln an alten Kiefern- und Fichtenstubben, etwas später wachsen die Frühjahrslorcheln und die schwarzweißen Becherlorcheln (Helvella leucomelaena) entlang der Waldwege. Ab dem Spätsommer folgen vereinzelt Exemplare der elastischen Lorchel (Helvella elastica), der seltene Nadelwald-Öhrling, in den Grasnarben oder auf Moospolstern wächst der kleine Nesterdstern und 2017 wurde bei einer gemeinsamen Pilzexkursion mit Torsten Richter aus Rehna und Chris Engelhardt aus Lübeck Pseudombrophila petrakii und Peziza moravecii nachgewiesen.

 

Klaasbachtal

Ein schöner Wald bei der Ortschaft Neukloster, eine wahre Fundgrube für alle Pilzfreunde. Ein wirklich sehr interessantes Waldgebiet, nicht nur für Wanderer und Naturfotografen, sondern auch Freunde der Mykologie kommen auf ihre Kosten. Hier gibt es zu jeder Jahreszeit etwas zu entdecken, ob in milden Wintern oder an heißen Sommertagen. Dieses Fleckchen Erde ist ein von der letzten Eiszeit geprägtes Tal, in der Nähe der Badestelle in Neukloster. Hier darf ein alter toter Baum auch umkippen und vorallem darf er liegen bleiben. Es handelt sich um einen kleinen naturbelassenen Teil der Sternberger Seenlandschaft, mit hauptsächlich Buchen und Eichen, vereinzelt einige Abschnitte mit Fichten oder Kiefern. Das Gebiet ist gekennzeichnet durch einen kleinen flachen Bachlauf, eingesäumt von steilen Hängen in dem man das Gefühl hat im Harz unterwegs zu sein. Nicht nur Speisepilz-Sammler können hier zur richtigen Zeit ihre Körbe füllen, auch Pilzfreunde die bei diesem Thema über den Tellerrand hinausschauen, kommen hier auf ihre Kosten. Durch die großen alten Buchen stehen die teils kalkhaltigen, bemoosten Hänge überwiegend schattig und bieten auch bei heißen Sommertagen eine Menge Abwechslung. Das kiesreiche Bachbett mit anmoorigen, humusreichen Bachrändern lassen ebenfalls die Herzen höherschlagen. Allerdings mehr für Becherlings- und Lorchel-Freunde. Hier ist es das ganze Jahr über feucht, die alten großen Buchen bieten genügend Schatten, und die Wärme sammelt sich wie in einem Gewächshaus. Feucht und warm, ein Eldorado für Schlauchpilze. Einige schöne und seltene Pilz-Arten wurden hier schon gefunden und wer weiß, was es in diesem Gebiet noch alles zu entdecken gibt. Die Interessantesten Funde für mich persönlich waren in diesem Wald, der veilchenfarbige Blau-Becherling (Peziza gerardii), Peziza buxea, der Körnchenbecherling (Peziza granularis), Miladina lecithina, gelber Wachs-Becherling (Peziza flavida), Rillstielige Lorchel (Helvella phlebophora), Sattel-Lorchel (Helvella ephippium), Hasen-Röhrling (Gyroporus castaneus), Krauser Leistling (Craterellus undulatus), Igel-Stäubling (Lycoperdon echinatum), Europäische Goldblatt (Phylloporus pelletieri) oder der Samtige Korkstacheling (Hydnellum spongiosipes) um nur einige Arten zu nennen.

 

Auwald bei Proseken

Ein Auwald der ca. 3 Kilometer von der Hansestadt Wismar in der Ortschaft Proseken beginnt und 6 Kilometer weiter direkt am Ostseestrand in Zierow endet. Nicht überraschend ist, dass die meisten Wälder in der Ostseeregion sandig sind. Umso interessanter ist dieser fast unscheinbare Auwald mit seinem zum Teil lehmigen Boden. Besonders im Frühling und im Frühsommer kann es hier sehr spannend werden. Hat es im Frühling gut geregnet oder fiel im Winter viel Schnee, speichert der Lehmboden die Feuchtigkeit sehr lange. Es führt ein breiter Wanderweg durch dieses wirklich seit Jahrzehnten naturbelassenen Stück Erde. Lediglich einige alte Buchen wurden vorletztes Jahr direkt am Wanderweg abgeholzt. Bestimmt damit niemanden verletzt wird oder jemanden etwas auf die Mütze bekommt. Ansonsten ist hier alles so, wie die Natur es für richtig hält. Die steilen Hänge sind geprägt von Buchen und Eichen und in Bachnähe dominieren Erlen, Ahorn und Eschen. Gerade im Frühling, wenn der Waldboden von Anemonen bedeckt ist, kann man hier die beliebten Speisemorcheln finden. Verlässt man den Wanderweg, ist man sofort raus aus der Zivilisation und es kommt der Eindruck auf, man sei in einem Urwald. Leider gibt es solche Bereiche immer weniger in dem zugebauten Deutschland. In den ständig feuchten Bereichen, dort wo die Sumpfdotterblume noch wächst, kann man auch die Käppchen-Morchel finden. Etwa 4 Meter am Hang höher, zwischen viel wildem Schnittlauch, gibt es alle zwei Jahre große Mengen des begehrten und wohlschmeckenden Morchelbecherling. Abgesehen davon, dass es hier leckere Speisepilze gibt, konnte ich in diesem Gebiet schöne und sehr seltene Becherlinge finden. Einige von ihnen wurden vorher in Mecklenburg-Vorpommern noch nie nachgewiesen. Nennenswerte Funde von Becherlingen waren bisher, Peziza labessiana an 4 Stellen, Peziza lividula an 3 Stellen, Peziza celtica, Peziza ampliata an zwei Stellen, Peziza buxea und Aleurina tenuiverrucosa. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass in diesem Wäldchen neben nicht alltäglichen Pilzen auch besondere Pflanzen und Amphibien ein Zuhause gefunden haben. Folgt man dem kleinen Bach oder dem einzigen Waldweg den es gibt, kommt man zwischen Zierow und Hohen Wieschendorf direkt an der Ostsee raus. Wer nach diesem Waldgebiet immer noch nicht genug von Becherlingen hat, der kann sich weiter an den Steilküsten austoben. Entlang der Ostsee, von Wismar bis nach Lübeck gibt es viele Steilhänge mit Lehmboden, stellenweise mit Tonboden und sogar Abschnitte mit Kalk. Wem die Hänge zu steil sind, kann auch mal einen Blick in die Dünenbereiche entlang der Ostseeküste werfen. Auch da gibt es allerhand an nicht so häufigen Pilzarten zu entdecken. Im Frühling, in den Dünen mit Kiefern, kann man Spitzmorcheln und mit viel Glück die Böhmische Verpel finden. Ab den Sommer auch folgende Arten, um Einige zu nennen: die Dünenstinkmorchel (Phallus hadriani), Dünen-Becherling (Peziza ammophila), Dünen-Stielbovist (Tulostoma kotlabae), Dünen-Koralle (Ramaria ammophila). Man hat leider nie genug Zeit, um alles zusehen und zu finden.

 

Radebachtal

Es liegt zwischen Warin und Sternberg und ist einer der abwechslungsreichsten Wälder, die wir hier unweit der Ostseeküste um Wismar haben. Die Landschaftwurde im Wesentlichen durch die Eisvorstöße des Pommerschen Stadium und der Wechselvereisung vor 14.800 - 18000 Jahren geformt. In der "Wariner Senke" wurden zwischen der Zwischeneiszeit und der Wechsel-Kaltzeit Beckensedimente abgelagert. Dabei handelt es sich um einen teilweise gebänderten Ton mit Schluff- und Feinsandlagen, der größtenteils mit Sandersanden überlagert wird. Das hügelige Tal mit seinem abwechslungsreichen Baumbestand macht eine Pilzsuche auf keinem Fall langweilig. Reine Buchen Bestände, Buchen mit eingestreuten Kiefern, Pappeln, Feuchtgebiete und auchreine Fichtenbestände um die Sache abzurunden. Neben guten Speisepilzen, wie Steinpilze, Maronen oder krause Glucken gibt es dort auch sehr seltene Pilze zu bestaunen. Raritäten die es sonst kaum in Mecklenburg-Vorpommern gibt. Erwähnenswerte Funde aus diesem Gebiet sind zum Beispiel der Schönfuß-Röhrling, der Kiefernsteinpilz, die Herkuleskeule, der blaue Klumpfuß, der Reifpilz, der Anhängsel-Röhrling, der rotgegürtelter Milchling, der löwengelbe Dachpilz, Tiger-Ritterling, oder auch der Kornblumen-Röhrling. Fast alle Südwesthänge auf der Ostseite des Tales zeigen Spuren der Wind-Verhagerung durch Laubverblasung, an diesen Bereichen ist der Boden in der Regel sehr trocken. Die Moospolster hingegen verbergen so manche Überraschung, gerade sehr seltene Korallen-Arten der Gattung Ramaria fühlen sich hier wohl. Unter anderem wurde hier schon die Blutrotfleckende Koralle (R. sanguinea), die violett-graue Koralle (R. fumigata), die Dreifarbige Koralle (R. formosaund) und die Hahnenkamm-Koralle - Bärentatze (R. botrytis) gefunden. Abgesehen von schönen oder schmackhaften Pilzen, ist dieser Wald ein wirklich schönes Fleckchen Erde, wo auch der Fischotter, die Wasseramseln oder auch Eisvögel noch zu Hause sind. Das Wasser ist sauber und klar, sodass auch die Bachforelle hier noch in freier Wildbahn überlebt und sich fortpflanzen kann. Damit es diese naturbelassenen Wälder auch weiterhin geben kann und auch unsere Kinder, etwas ihren Kindern zeigen können, sollte bitte jeder, egal wo, mit gutem Beispiel vorangehen und die Natur mit Respekt behandeln.

 

Weitere Waldgebiete folgen nach und nach. Erwähnenswert und aus mykologischer Sicht sehr artenreich ist auch die Schaalseeregion, an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die Müritzregion inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte, der Darß auf der Halbinsel Zingst, die Buchenwälder im Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen und die Feldberger Seenlandschaft an der Landesgrenze zu Brandenburg.

 

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