Interessante Waldgebiete in Mecklenburg-Vorpommern

Teil 5 - Der Prosekener Grund


Ein Auwald der ca. 3 Kilometer von der Hansestadt Wismar in der Ortschaft Proseken beginnt und 6 Kilometer weiter direkt am Ostseestrand in Zierow endet. Nicht überraschend ist, dass die meisten Wälder in der Ostseeregion sandig sind. Umso interessanter ist dieser fast unscheinbare Auwald mit seinem zum Teil lehmigen Boden. Besonders im Frühling und im Frühsommer kann es hier sehr spannend werden. Hat es im Frühling gut geregnet oder fiel im Winter viel Schnee, speichert der Lehmboden die Feuchtigkeit sehr lange. Es führt ein breiter Wanderweg durch dieses wirklich seit Jahrzehnten naturbelassenen Stück Erde. Lediglich einige alte Buchen wurden vorletztes Jahr direkt am Wanderweg abgeholzt. Bestimmt damit niemanden verletzt wird oder jemanden etwas auf die Mütze bekommt. Ansonsten ist hier alles so, wie die Natur es für richtig hält. Die steilen Hänge sind geprägt von Buchen und Eichen und in Bachnähe dominieren Erlen, Ahorn und Eschen. Gerade im Frühling, wenn der Waldboden von Anemonen bedeckt ist, kann man hier die beliebten Speisemorcheln finden. Verlässt man den Wanderweg, ist man sofort raus aus der Zivilisation und es kommt der Eindruck auf, man sei in einem Urwald. Leider gibt es solche Bereiche immer weniger in dem zugebauten Deutschland. In den ständig feuchten Bereichen, dort wo die Sumpfdotterblume noch wächst, kann man auch die Käppchen-Morchel finden. Etwa 4 Meter am Hang höher, zwischen viel wildem Schnittlauch, gibt es alle zwei Jahre große Mengen des begehrten und wohlschmeckenden Morchelbecherling. Abgesehen davon, dass es hier leckere Speisepilze gibt, konnte ich in diesem Gebiet schöne und sehr seltene Becherlinge finden. Einige von ihnen wurden vorher in Mecklenburg-Vorpommern noch nie nachgewiesen. Nennenswerte Funde von Becherlingen waren bisher, Peziza labessiana an 4 Stellen, Peziza lividula an 3 Stellen, Peziza celtica, Peziza ampliata an zwei Stellen, Peziza buxea und Aleurina tenuiverrucosa. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass in diesem Wäldchen neben nicht alltäglichen Pilzen auch besondere Pflanzen und Amphibien ein Zuhause gefunden haben. Folgt man dem kleinen Bach oder dem einzigen Waldweg den es gibt, kommt man zwischen Zierow und Hohen Wieschendorf direkt an der Ostsee raus. Wer nach diesem Waldgebiet immer noch nicht genug von Becherlingen hat, der kann sich weiter an den Steilküsten austoben. Entlang der Ostsee, von Wismar bis nach Lübeck gibt es viele Steilhänge mit Lehmboden, stellenweise mit Tonboden und sogar Abschnitte mit Kalk. Wem die Hänge zu steil sind, kann auch mal einen Blick in die Dünenbereiche entlang der Ostseeküste werfen. Auch da gibt es allerhand an nicht so häufigen Pilzarten zu entdecken. Im Frühling, in den Dünen mit Kiefern, kann man Spitzmorcheln und mit viel Glück die Böhmische Verpel finden. Ab den Sommer auch folgende Arten, um Einige zu nennen: die Dünenstinkmorchel (Phallus hadriani), Dünen-Becherling (Peziza ammophila), Dünen-Stielbovist (Tulostoma kotlabae), Dünen-Koralle (Ramaria ammophila). Man hat leider nie genug Zeit, um alles zusehen und zu finden.

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