Pilztagebuch - 4. Quartal 2017


01.10.2017 Pilzausstellung in Rehna stand gestern auf dem Plan. Ein sehr schöner Tag und das Wetter war auch gut, statt wie angesagtem Regen, hatten wir super Pilzwetter. Nette Menschen, gutes Essen, reichlich Pilze und eine schöne Waldtour, mehr geht nicht. Ich schätze mal, ca. 100 Pilzfreunde und Neugierige trafen sich gegen 10:00 in Rehna. Es wurden drei Gruppen gebildet und es ging in die jeweiligen Zielgebiete. Chris Engelhardt und ich befanden uns in der Gruppe, die Reinhold Krakow von Steinpilz-Wismar führte. Die Gruppe verteilte sich schnell in alle Himmelsrichtungen, sodass ich mit meinen Kindern alleine auf Pilzsuche war. Das war etwas schade, aber wir waren doch sehr zufrieden. Erstmals konnte ich den Strubbelkopf-Röhrling finden. Ist er im Süden Deutschlands relativ häufig, gehört in Mecklenburg-Vorpommern schon etwas Glück dazu ihn zu finden. Noch zwei Schmarotzer-Röhrlinge an Kartoffelbovisten, die leider schon mehr als überständig waren und eine Gruppe von 8 Herkuleskeulen waren die besten Funde des Tages. Reinhold und Chris konnten noch sehr hübsche Saftlinge, gelbe Keulenpilze und riesige Orangebecherlinge finden. Zurück in Rehna inspizierte Chris und ich noch eine Rasenfläche am Kloster und fanden dort tatsächlich noch etwas Gutes, den lilastieligen Rötelritterling. Gab es sie früher noch in Massen, ist dieser Pilz in der heutigen Zeit leider kein alltäglicher Pilzfund mehr. Nach schönen Pilzgesprächen, Essen und Trinken, Mikroskopieren, und nachdem meine Tochter sich auf der Hüpfburg ausgetobt hatte, fuhren wir am Nachmittag zurück nach Wismar. So kann man gerne jedes Wochenende gestalten. Heute war Familientag und es ging nach Rostock, aber morgen geht es gleich wieder rund um die Pilze. Chris und ich werden morgen eine schöne und hoffentlich nicht zu nasse Waldtour machen. Es geht etwas weiter weg und wir werden schon früh starten, damit es sich lohnt und wir nicht großartig auf die Uhr schauen müssen. Ohne Zeitdruck nur Wald und Pilze. Das Wetter ist weiterhin in super Pilzlaune und das sollte ausgenutzt werden.

 

03.10.2017 Trotz schlechtem Wetter war es eine schöne Tour heute, auf dem Darß mit Chris Engelhardt. Die schönsten Funde waren heute, der wechselblaue Edel-Reizker / Lactarius quieticolor, Kiefern-Habichtspilz / Sarcodon squamosus, Rosenroter Schmierling / Gomphidius roseus und richtig schöne Moor-Röhrlinge / Suillus flavidus. Es schon spät und in Kürze schreibe ich mehr zum heutigen Tag.

 

04.10.2017 Trübes Wetter macht sich breit. 9 Bis 15 Grad, nass, windig und zum Abend hin leicht stürmisch. So soll es die nächsten Tage weitergehen, nur der Wind soll noch etwas weiter zulegen. Der Herbst ist im vollen Gange. Es tauchen nun wieder mehr Asco's auf, obwohl sie durch das herabfallende Laub schwer zu finden sind. Die Lärchenröhrlinge wachsen ununterbrochen weiter und immer wieder schieben sich junge Fruchtkörper aus dem Boden. Ansonsten sieht es mit Großpilzen in Wismar mager aus.

 

05.10.2017 Der Deutsche Wetterdienst hat für heute eine Unwetterwarnung rausgeben, Dauerregen, Sturmböen, vereinzelt schwere Sturmböen (90 bis 100 km/h - Bft 10) bis orkanartige Böen (115 km/h - Bft 11) mit einzelnen Gewittern.  Dauerregen mit Mengen zwischen 30 und 50 Liter pro Quadratmeter sind wahrscheinlich. In den Wäldern sollte man sich ab dem Mittag lieber nicht mehr aufhalten. Ich werde gleich, bevor der Wind starker wird, noch eine Runde durch den Wismarer Bürgerpark, das Wetter ist für Becherlinge und Co. ideal.

 

06.10.2017 Meine heutige Tour machte ich am schwarzen See. Viel Zeit hatte ich nicht, da ich quasi nur auf der Durchreise nach Rostock war. Es hat sich trotzdem gelohnt, einige Pilze die ich vorher noch nie in unseren Wäldern gesehen habe. Der beste Fund heute waren spangrüne Kiefernreizker - Lactarius semisanguifluus. In den Verbreitungskarten wurde diese Art erst zwei für Mecklenburg-Vorpommern notiert. Für das Auge gab es sehr viele blutrote Hautköpfe - Cortinarius sanguineus, auch diese Art ist nicht häufig in M-V. Als Bonus gab es noch ganz kleine Hohlfuss-Röhrlinge, auch diese Art ist bei uns nur mit viel Glück zu finden. Das war heute mehr als erfolgreich. Morgen werde ich noch ein mal in diese Ecke fahren, aber in ein anderes Waldgebiet, möchte unter Fichten auf Kalkboden schauen.

 

07.10.2017 Den ganzen Tag regnet es nun schon, trotzdem war ich mit Schirm bewaffnet unterwegs. Als Erstes schaute ich bei den grauen Lärchenröhrlingen vorbei, die ich vorgestern fand, in der Hoffnung, dass noch frische nachgewachsen sind. Leider ohne Erfolg, gerne hätte ich von den in Mecklenburg-Vorpommern recht seltenen Röhrlingen, ein paar neue Bilder gemacht. Danach wollte ich nach Edelreizkern schauen, um davon Bilder zu machen, aber ich konnte nicht einen Einzigen finden. Jedes Jahr gab es an dieser Stelle weniger Exemplare und dieses Jahr scheinen sie überhaupt nicht zu wachsen. Das wundert mich sehr und ich werde nächste Woche, dieses Gebiet erneut aufsuchen.

 

08.10.2017 Bei wunderbarem Wetter machte ich mit meinem Sohn eine Steilküsten-Exkursion. Es hat nicht lange gedauert und wir fanden die ersten Becherlinge, hoch oben an der Steilküste. Es war ein Akt, auf dem nassen Lehmboden hoch zusteigen. Ich hatte die Hoffnung endlich die Peziza moseri gefunden zu haben, aber unter dem Mikroskop musste ich feststellen, dass die Sporen etwas größer und ganz fein punktiert waren. Damit kann es nicht P. moseri, mit glatten Sporen sein. Da ich die Peziza exogelatinosa schon mal an einem anderen Strand gefunden hatte, war es leider kein neuer Fund für mich. Egal, es hat trotzdem Spaß gemacht und es kann für diese Art, ein neuer Punkt auf der Verbreitungskarte gesetzt werden.

 

09.10.2017 Heute war ich schnell mal schauen, ob noch ein grauer Lärchenröhling nachgewachsen ist. Ohne Erfolg schaute ich weiter und fand an einer alten Stelle, völlig gelbe Lärchenröhrlinge. Alle Teile vom Fruchtkörper sind knallgelb, auch bei Verletzung kommt es zu keiner Verfärbung. Jedes Jahr an der gleichen Stelle und paar Meter weiter, stehen immer die "Normalen". Keine Ahnung, ob da irgendwas im Boden ist, was die Farben beeinträchtigt. Am Nachmittag war ich wieder an der Steilküste, aber bei Beckerwitz. Da der Wind wieder kräftig auffrischte, entfernte ich mich sicherheitshalber etwas von der Klippe. Den alten Bäumen kann man nicht wirklich trauen und Abbrüche von der Steilküste, muss man auch einkalkulieren. Ich suchte noch etwas im Sand nach Pilzen und entdeckte das erst mal in meinem Leben, Seesterne in der Ostsee. Ich bin nun 34 Jahre und seitdem wohne ich in unmittelbarer Nähe zum Wasser an der Ostsee und habe es vorher nie gesehen oder wahrgenommen. Es müssen nicht immer Pilze sein, über die man sich freut.

 

11.10.2017 Gestern und heute war ich im Prosekener Grund, in der Nähe von Wismar unterwegs. Ich suchte die lehmigen Hänge im Auwald nach Becherlingen ab, Dutzende Becher der Art Peziza lividula, teils riesige Exemplare bis 16 cm im Durchmesser. Leider gab es bis auf Grünspanbecherlinge nichts weiter, was in diese Richtung geht. Überall nervige Büschel vom Hallimasch, allgemein nichts Aufregendes. Ich habe noch einige Sachen am Laptop zu erledigen und deswegen halte ich mich sehr kurz heute.

 

12.10.2017 Sehr windig war es heute, wenn nicht schon stürmisch. Eigentlich wollte ich wieder in den Auwald bei Zierow, aber dort ist es auch bei windstille, durch den alten Baumbestand schon sehr unsicher. Also besser mal keine Pilze, aber dafür am Leben. Wenn einen dort, was von oben auf die Mütze fällt, dann wirds schwierig, kein Handyempfang und hören oder finden wird einen dort auch keiner. Das ist aber das Schöne dort, es wächst, wie es will, kippt um und bleibt liegen, so wie die Natur es für richtig hält. Ich war nun die letzten 3 Jahre regelmäßig mindestens ein mal im Monat dort und konnte schon ein paar wunderschöne und teils seltene Arten finden. Ich denke, dass es in diesem Gebiet noch eine Menge zu entdecken gibt, aber ab dem nächsten Jahr habe ich schwerpunktmäßig ein anderes Biotop ins Auge gefasst. Wenn alles klappt, wie ich mir das vorstelle, werde ich morgen in der Nähe Rostock eine Exkursion unternehmen, mit hoffentlich einigen schönen Funden.

 

13.10.2017 Bei schönem Wetter ging es heute mit den Kindern in die Dünen bei Rostock. Meine gesuchte Art, Peziza ammophila konnte ich leider nicht finden, aber dafür zum ersten Mal Peziza merdae und noch zwei weitere Becherlinge, die ich aber mikroskopisch noch nicht bestimmt bekommen habe. Ansonsten viele Dünen-Stinkmorcheln mit ihren violett gefärbten Hexeneiern, gelten sie sonst als selten, sind sie natürlich in den Dünengebieten häufig. Anschließend sind wir noch in einem Wald in der Rostocker Heide gefahren, hier gab viele Maronen-Röhrlinge und Pfifferlingstrompeten. Auf dem Parkplatz begegnete ich einen Pilzfreund, der gerade, mit seinem vollgefüllten Pilzkorb, Richtung Auto ging. Wir kamen kurz ins Gespräch, was in den sandigen Wäldern gerade so wächst und dann erblickte ich aus dem Augenwinkel, eine riesige Ansammlung vom blasigen Becherling (Peziza vesiculosa) Fazit von heute, schönes Wetter, frische Luft und schöne Asco's (Schlachpilze), jetzt werde ich noch etwas mikroskopieren und dann geht ein herrlicher Tag zu Ende.

 

15.10.2017 Herrliches Wetter war das heute. Nachdem die Nebelfelder sich verzogen hatten, gab es Sonne pur, ohne eine Wolke am Himmel und das bei angenehmen 21 Grad. Frische Pilze sah ich heute nicht vom nahen, da ich das Wochenende fast pilzfrei mit der Familie verbracht habe. Aber ich hatte genug zum mikroskopieren, habe die Internetseite bearbeitet und neue Bilder hinzugefügt. Morgen soll das Wetter ähnlich werden, aber ich werde keine Zeit haben, um in den Wäldern herumzuschleichen. Entweder morgen früh, oder erst am späten Nachmittag werde ich schauen, wie es um die Reizker steht. Wenn die Zeit es zulässt, werde ich mir auch mal welche zum essen mitnehmen. In der Regel sammel ich keine Pilze für den Verzehr, aber mal wieder leckere Reizker Essen, dazu hätte ich Lust. Für mich der beste Speisepilz, den man bei uns in Mecklenburg-Vorpommern sammeln kann.

 

17.10.2017 Gestern Abend war ich mit den letzten Sonnenstrahlen, nach den leckeren Edel-Reizkern schauen. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass von den Leckerbissen keiner zu sehen war. Ich schaute bei dieser Gelegenheit auch gleich unter einer Fichtenecke nach, dort standen die etwas minderwertigen Fichtenreizker, wie ausgesät. Ansonsten die Üblichen, die dort wachsen, Marzipan-Schnecklinge, große Schmierlinge, Pfeffer-Röhrlinge und elastische Lorcheln (Helvella elastica). Diese konnte ich heute auch auf dem Wismarer Friedhof und in einer Parkanlage finden. Auf dem Friedhof konnte ich an einer neuen Stelle, graue Lärchenröhrlinge finden und wieder überständig, sodass ich wieder keine anständigen Bilder von ihnen machen konnte. Die Temperaturen waren heute wieder recht mild, aber so richtig hell wurde es nicht. Den ganzen Tag lag ein dicker Schleier in der Luft. Morgen muss ich wieder nach Rostock und mal schauen, ob wieder eine Stunde Zeit bleibt, um einen Abstecher in die Pilze zu machen.