Peziza retrocurvata - K. Hansen & Sandal 1998

Brauner Becherling


Peziza retrocurvata K. Hansen & Sandal, brauner Becherling, Pilz im Herbst.

Eine nette Zusendung vom 08.11.2017 aus dem Bundesland NRW, von Cordula Bernert. Zwei reife, 3-4 cm große Exemplare, die einem die Sporen schon beim Öffnen des Briefes entgegen schossen. Reif waren sie, das war schon mal die halbe Miete. IKI positiv, ca. 50 freischwimmende Sporen wurden vermessen: (14) 15-16 (16,5) x 7,5 - 8, Durchschnittswert: 15,25 x 7,75, Q-Wert: 1,97. Das Sporenornament besteht aus kleinen isolierten, leicht unregelmäßigen Warzen, die manchmal zu kleinen Graten verlängert sein können (max. 3,5 μm lang). Das Innere der Sporen ist fast vollständig mit kleinen Öltropfen (1-2 μm) / Blasen gefüllt, sodass es schaumig wirkt. Es sticht schon bei 400-facher Vergrößerung ins Auge und bei 1000-facher ist es ohne Baumwollblau sehr schwer, die Warzen zu sehen, weil man durch den Inhalt denkt, dass das Ornament ein Netz darstellt. Die Paraphysen sind teils gerade, aber öfter gebogen, an der Basis gegabelt, 3,5 - 4,5 μm, oben verdickt bis 8 μm, mit bräunlich-gelben Inhalt. Ich bat erneut um frisches Material um zu überprüfen, ob der unübliche Sporeninhalt ein Zufall war. Unversehrt kamen am 16.11.2017 zwei weitere, frische und sporenreife Fruchtkörper per Post. Mikroskopisch war die zweite Zusendung identisch mit der Ersten. Anmerken könnte man, dass die Ersten untersuchten Becherlinge, vor einem alten Baumstamm auf der Erde wuchsen und die Zweiten untersuchten, direkt auf dem vermorschtem Holzstamm. Ich fragte Torsten Richter ob er interesse hätte, auch mal einen Blick über die spannenden Becherlinge zu werfen. Noch am selben Tag verschickte ich von der zweiten Sendung, einen frischen Becher nach Rehna. Der Anfangsverdacht anhand des Sporeninhalts, es könnte sich um Peziza brunneoatra handeln, konnten wir relativ schnell verwerfen. P. brunneoatra ist eine kleine Art, bis max. 2 cm. Des weiteren passen die Sporenmaße und die Asci-Länge nicht, und verblüffenderweise soll die P. brunneoatra sogar IKI negativ sein. Durch die Unterstützung von einigen französischen Mykologen und dem Vergleichen der angedachten Art, konnten Torsten und ich die Becherlinge schlussendlich mit gutem Gewissen, als Peziza retrocurvata abstempeln. Demnächst kommen noch vernünftige Mikro-Bilder vom Profi Hartmut Schubert aus Harzgerado, ich habe leider nicht die entsprechende Ausrüstung dafür.

 

Laut den Verbreitungskarten der DGfM, wurde diese Peziza in Deutschland, erst an 2 Stellen im südlichen Teil von Sachsen-Anhalt nachgewiesen.

 

Ortsangaben: Canstein, Marsberg, an der Bundeslandgrenze zwischen Hessen und NRW, GPS-Daten: 51.39****, 8.91****. Lehmhaltiger Boden, auf dem im Frühjahr Morcheln (Morchella) und Morchelbecherlinge (Disciotis) wachsen. Die seltene Zipfellorchel (Gyromitra fastigiata) wurde ebenfalls in der Nähe des Stammes gefunden. Die Becherlinge (P. retrocurvata) an sich wuchsen vor, sowie direkt auf dem morschen Holzstamm. Wobei hier das finale Holz von Fraxinus oder von Fagus sylvatica infrage kommt. Weitere Bäume in der Umgebung sind Ahorn und Hainbuche, wenige Weißdornbüsche und eben sehr viel Totholz. Der Bodenbewuchs besteht aus viel Bingelkraut, Aronstab, und im Frühjahr ist auch Waldmeister vorzufinden. Der Untergrund vom Bruchwald besteht aus Steinen und Felsen. Kalk im Boden ist daher anzunehmen. Das Waldstück befindet sich an einem kleinen leicht ansteigenden Hang, am Straßenrand. Direkt am Fundort ist es immer recht schattig und auch feucht, da an der Straße, ein kleiner Bachlauf durch den Straßengraben fließt.

 

leg. Cordula Bernert, det. T. Richter & Ch. Ehmke

E-Mail: becherlinge@gmail.com

Peziza retrocurvata, Becherling
Peziza retrocurvata, Becherling
Peziza retrocurvata, Becherling
Peziza retrocurvata, Becherling
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Peziza retrocurvata, Becherling
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Peziza retrocurvata, Becherling
Peziza retrocurvata, Becherling

 

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