Peziza labessiana - Sacc. & Traverso 1911


Lila Becherling, Peziza labessiana, www.lorcheln.de

 

Beschreibung makroskopisch:

Fruchtkörper ca. bis max. 4 cm breit, stiellos auf dem Boden aufsitzend. Jung kugelförmig mit hellem violett Ton und die Außenseite ist schon deutlich körnig. Im Verhältnis zur Größe ist das Fleisch dick und fest, aber dennoch leicht zerbrechlich. Später schüsselförmig und dunkler werdend, zum Schluss rötlichbraun, purpurbraun bis lila-schwärzlich, flach und ausgebreitet auf dem Boden liegend. Innenseite glatt, matt braun mit violetten Tönen. Außenseite gleich gefärbt, wirkt etwas dunkler, durch die stark granulierte Außenseite. Nasse oder feuchte Fruchtkörper können Außen auch heller sein, wenn die groben Körnchen abgewachsen sind. Das Fleisch ist dünn und brüchig, wie bei den meisten Becherlingen. Im Schnitt cremefarben - weißlich bis rosa, älter lila bis bräunlich. Keine farbige Milch absondernd, wie bei Peziza saniosa, Geschmack mild, Geruch nicht feststellbar, über die Giftigkeit ist nichts bekannt.

 

Beschreibung mikroskopisch:

Sporen anfangs mit kleinen Tröpfchen, die sich flüchtig an den Enden vereinigen. Keine großen Öltropfen verhanden. 14-18 x 8-11 µm, ellipsoid, hyalin, biguttulat, Ornament aus isolierten Warzen. Paraphysen zylindrisch, septiert, teilweise moniliform, apikal verbreitert. Asci operculat.

 

Fundort:

2015 / 2016 Auwald, alter Erlen- Eschenbruch. Ost Hanglage unterhalb einer bewirtschafteten Ackerfläche. Kalkhaltiger Boden, eventuell mit Dünger vom Feld versetzt. Eine kleine offene Stelle, durch einen kleinen, ca. 5 Meter langen umgekippten Baum (Sambucus). Die Sonne scheint am Standort ab Mittag, die Becher saßen aber immer schattig, entweder zwischen altem Laub vom Vorjahr oder unter abgestorbenen Holzresten.

 

2017 Drei neue Stellen, alle Plätze waren sonnenexponiert. Ca. 15 Fruchtkörper an einer kleinen Erhöhung neben einem Weg, wieder mit Pflanzen- und Holzresten, aber kein Sägemehl oder Sägespäne von Waldarbeiten. Alleinstehende Fruchtkörper an einem Osthang, ein mal vergesellschaftet mit den Disciotis venosa, auf schweren, fetten Lehmboden und am Hang trocken und windgeschützt durch quer liegenden Baumstamm.

 

Begleitvegetation:

Acer pseudoplatanus, Anemone nemorosa, Ficaria verna, Ribes uva-crispa, Carpinus betulus, Viola reichenbachiana, Prunus avium, Fraxinus excelsior, Sambucus nigra.

 

Funddaten:

10.04.2015, 11.04.2016 in der Nähe der Ortschaft 23968 Proseken, ca. 3 Kilometer westlich von der Hansestadt Wismar entfernt, MTB. 2034/314.

22.02.2017 neuer Fundort im selben Auwald, ungefähr 2 Kilometer Luftlinie weiter in Richtung Zierow an der Ostsee. MTB: 2034/334

 

Anmerkung:

Im April 2015 informierte ich Torsten Richter aus Rehna über den Fund und fragte ob er Zeit und Lust hätte die Becherlinge zu bestimmen. Ich schickte gleich am nächsten Tag ein paar frische Exemplare los. Prompt folgte eine vorläufige Bestimmung. Am darauf folgenden Wochenende kamen Torsten und Chris Engelhardt in die Wismar-Region und wir trafen uns am Fundort. Nach gezielter Suche konnten wir noch einige Exemplare finden und für die genauere Bestimmung eintüten. Torsten investierte eine Menge Zeit, für diese Peziza. So wurden auch Proben ins In- und Ausland verschickt und er blieb im Kontakt nach München und Frankreich, um sich mit anderen Experten diesbezüglich zu beratschlagen. Am Ende das sichere Ergebnis: Peziza labessiana. Nach intensiver Recherche ist es der dritte Nachweis für Deutschland und der einzige aktive Standort, die anderen Beiden sind erloschen. (08.04.2001, München, 7834/4, leg. und det: G. Bauer und 06.04.2012 bei Phöben, am Angelteich, leg. und det: J. Ehrich) Großes Danke an dieser Stelle an Torsten Richter aus Rehna, für die Zeit und Mühe und an Hartmut Schubert für seine Zeit und seinen tollen Mikro-Bildern. 2015 waren es in einem Zeitraum von knapp 3 Wochen, ca. 20 Frk. und 2016 leider nur 4, am 11.04.2016 bei einer gemeinsamen Exkursion, konnte wir leider auch keine Weiteren mehr finden.

 

Am 14.02.2017 war die letzte Nacht mit Bodenfrost. Nachdem ich am 22.02.2017 an einem neuen Standort ausgewachsene Fruchtkörper fand, muß man davon ausgehen, das diese Art unmittelbar nach der Schneeschmelze, anfängt Fruchtkörper zu bilden. Am "alten" Fundort waren zu diesem Zeitraum noch keine Fruchtkörper zu finden. Diese Stelle bekommt weniger Sonne ab und es konnte an diesem Hang noch zu kalt gewesen sein. Am 17.03.2017 kontrollierte ich den alten Fundort und wurde nicht enttäuscht. Ungefähr 20 Fruchtkörper konnte in kurzer Zeit finden. Bei einer gezielten Nachsuche, am darauffolgenden Tag mit Torsten Richter, einigten wir uns auf ca. 50 Fruchtkörper ohne jeden kleinen, noch wachsenden Becher zu zählen.

 

Peziza labessiana, weinrötlicher Becherling mit körniger Außenseite, Ostsee Pilze
Kleiner Becherling, Peziza labessiana.
Außenseite körnig, Becherling, Peziza labessiana.
Dunkel-violetter Becherling, Peziza labessiana.
Ausgewaschene Außenseite vom dunklen Becherling, Peziza labessiana.
Ausgewachsen und sporenreif, Becherling, Peziza labessiana.
Becherling flach ausgebreitet, violette Becherlinge, Peziza labessiana.
Peziza labessiana, Sporen vom lila Becherling.
Peziza labessiana, Sporen in Baumwollblau, Becherling.
Peziza labessiana, Mikro-Merkmale vom lila schwarzen Becherling.

 

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