Rund um die Morchel und Lorchel

Teil 5 - Morchelarten im Kurzporträt


Speisemorchel - Morchella esculenta

Eine Morchel bei Löwenzahn, Morchella esculenta. Pilze im Frühling. 18.04.2018

Der begehrteste und meist gesuchte Pilz im Frühjahr ist und bleibt die Morchel. Der Hut ist unregelmäßig mit wabenartigen Kammern, rundlich bis oval. Innen immer hohl, die Farben variieren von beige, hellem braun bis dunkelbraun, manchmal auch ein Anflug von Rottönen. Der Stiel ist weißlich bis hellockerlich, mit dem Hut fließend verwachsen, ebenfalls hohl, glatt, im Alter etwas runzelig. Der Geruch und Geschmack wird als aromatisch, pilzig bis angenehm nussig beschrieben. Einige Autoren spalten die gewöhnliche Speisemorchel (Morchella esculenta) noch in Variationen auf:

 

Morchella esculenta var. rigida - Gelbe Morchel

Morchella esculenta var. vulgaris - Graue Morchel

Morchella esculenta var. rotunda - Runde Morchel

Morchella esculenta var. umbrina - Braune Morchel

Morchella esculenta var. crassipes - Dickfuß Morchel

Spitzmorchel - Morchella conica / elata

Spitzmorchel, dunkle Morchel, Morchella conica oder elata ist ein Pilz im Frühjahr. 18.04.2018

Die Spitzmorcheln erscheinen schon vor den Speisemorcheln und das kann denn schon ab Februar der Fall sein. Man findet sie am ehesten da, wo der Boden unter einer Moosdecke oder Nadelstreu mit grobem Kies versetzt ist, in sandigen Kiefernwäldern, in Bergnadelwäldern, in Fichtenwäldern, in mit Kiefern oder Fichten aufgeforsteten Tagebaugebieten und gerne auch auf alten Brandstellen. Immer häufiger in Stadtgebieten und Gärten auf Rindenmulch, der im Vorjahr ausgebracht wurde. Sie taucht als Erstes der drei gängigen Morchelarten auf und kann in milden Wintern schon ab Ende Februar erscheinen. Aber Vorsicht, in den gleichen Gebieten wächst die giftige Frühjahrslorchel. Da die Spitzmorchel dunkel bis schwarz ist und die braunroten Giftlorcheln auch mal witterungsbedingt sehr dunkel werden können, ist es wichtig, jeden einzelnen Fruchtkörper genau zu betrachten, um eine etwaige Verwechslung unbedingt auszuschließen. Ich werde die beiden auch noch mal nebeneinander fotografieren und von beiden einen Querschnitt zeigen.

Käppchenmorchel - Morchella semilibera

Käppchenmorchel, Halbfreie Morchel, Morchella semilibera, gigas, Speisepilze. 18.04.2018

Die Käppchenmorchel, auch halbfreie Morchel genannt, ist nicht so anspruchsvoll, was den Boden betrifft und man findet sie in ähnlichen Biotopen, wie sie auch die Speisemorchel mag. Sie ist deutlich häufiger anzutreffen, als die größere und kräftiger gebaute Speisemorchel. Sie ist auch toleranter was Nässe betrifft, nicht selten fand ich sie direkt in nassen Straßengräben oder neben nassen Schlammgruben, auch bei Brennnesseln wachsen sie, die zum Beispiel stickstoffreiche Böden anzeigen. Jung sehen sie den Spitzmorcheln ähnlich, aber schnell wird der Stiel deutlich länger und die Hutränder stehen frei. Es dürfte die häufigste Morchelart in Deutschland sein. Im Geschmack etwas minderwertiger als die Speisemorchel und oft von Kellerasseln besiedelt.

Fingerhutverpel - Verpa conica

Fingerhutverpel, Verpa conica, Verwechselung mit Morcheln oder Lorcheln. Ostsee Pilze Online

Die Fingerhut-Verpel wächst zur selben Zeit wie die Speisemorchel, ist deutlich kleiner, schmächtiger und ist wesentlich seltener als die Morchel. Einzeln bis gesellig kommen sie in gleichen Biotopen vor, wo auch Morcheln wachsen könnten. In Auwäldern, Bachufern, in Schlucht- & Bruchwäldern, Waldrändern, bei Birken, Eschen, Pappeln, auf kalkhaltigen oder lehmig, tonigen Böden. Die kleinen bis ca. 5 cm großen Verpeln haben einen rotbraunen bis graubraunen fingerhutförmigen, leicht runzeligen Hut, der im Verhältnis zum Stiel sehr klein ist. Er ist nur an der Äußersten Stielspitze vom weißen, hohlen, leicht samtigen Stiel angeheftet. Der aromatische Geruch lädt zum Essen ein, manche essen sie, Einige berichten von Unverträglichkeiten. Auf jeden Fall sollten sie gut durchgegart werden. Da dieser Pilz selten ist und in vielen Bundesländern auf den roten Listen steht, sollte er geschont werden.

Böhmische Verpel - Verpa bohemica

Böhmische Verpel, Verpa bohemica, dieser seltene Pilz kann mit der Morchel verwechselt werden.

Deutlich größer als die Fingerhut-Verpel wird die Böhmische Verpel, mit einer Größe von bis zu 18 cm. Sie wächst ebenfalls auf Kalkboden, an Flüssen und Bächen, gerne in und bei Gebüschen vom Weißdorn und bei Wildkirsche. Der Hut ist gelblich bis goldbraun, auffällig längsrunzelig und glockenförmig geformt. Die Ränder des Hutes stehen frei, da er nur am weißlichen, wattig gekammerten bis hohlen Stiel angewachsen ist. Pilzig angenehmer Geruch. Der Speisewert ist umstritten, Unverträglichkeiten sind bekannt und sie sollten wegen ihrer Seltenheit ohnehin geschont und nicht gegessen werden. In den südlichen Teilen des Landes kann man sie zur richtigen Zeit häufiger finden. Nach Stillegung und der Rekultivierung der ehemaligen Tagebaue in Sachsen, Brandenburg und Nieder-Sachsen ist es seit Jahren bekannt, dass es dort Massen von ihnen geben kann. Besonders die Region um Leipzig und Borna, kommen da voll auf ihre Kosten. Im Norden gehört die Böhmische Verpel zu den großen Raritäten, aber vielleicht habe ich irgendwann auch mal das Vergnügen, sie zu finden.

 

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Ein Video über das Thema Morcheln ist in Arbeit und wird in absehbarer Zeit hier hochgeladen.