Weißstielige oder Braunviolette Lorchel

Helvella spadicea - Schaeff. 1774


Helvella spadicea, Helvella leucopus, die Weißstielige, Braunviolette Lorchel, Ostsee Pilze

 

Makroskopische Beschreibung:

Die Glattstielige Lorchel wird bis zu 8 cm groß, bei guten Witterungsbedingungen auch 10 bis 12 cm. Zwei- bis dreilappig herab geschlagen, wirr, verbogen gesattelt, einzelnen Lappen sind wellig verdreht. Die Fruchtschicht ist kakaobraun, dunkelbraun, schwarzbraun, manchmal wirkt es, wie der Name es vermuten lässt, wie ein leichter Violettton. Die Außenseite ist glatt, weiß, hellgrau bis hellbräunlich. Der Stiel ist jung schneeweiß, später schmutzig-weiß bis hellgrau, im Alter mehr gelblich/bräunlich, hohl, zur Basis hin aufgeblasen, dicker, vielfach grubig, aber nie gerippt, dünnwändig und weißfleischend, oft mit sandigen Mycelfilz.

 

Syn.: Helvella leucopus - Pers. 1822

 

Hab.: Sapr. auf kalkhaltigem Sand, Muschelkalk, auf Lehmboden, Sandkastensand, auf Halden, an wärmebegünstigten Lagen, bei Pappeln (Populus), oft zusammen mit der Rippenstieligen Lorchel (Helvella solitaria)

 

Frukt.: Februar - Juli, in Deutschland ab Mitte April bis Mitte Mai.

 

Vork.: In ganz Deutschland selten. Aus Mecklenburg-Vorpommern sind bis heute nur 4 Fundorte bekannt - auf der Insel Rügen, bei Schwerin, in der Schaalseeregion und seit 2014 am Staussee bei Alt-Farpen in der Nähe von Wismar.

 

Einträge in Roten Listen:

Rote Liste - Mecklenburg Vorpommern: Status 1 - vom aussterben bedroht

Rote Liste - Schleswig Holstein: Status 2 - stark gefährdet

Rote Liste - Sachsen: Status R - extrem selten, Rarität

Rote Liste - Bayern: Status R - seit jeher extrem selten

Rote Liste - Hessen: Status D - Daten zu lückenhaft

Rote Liste - Tschechische Republik: Status 1 - vom aussterben bedroht

 

Anmerkung:

Die seltene Weißstielige Lorchel fand ich erstmals am 18.05.2014 in Ufernähe eines Stausees in der Nähe von Wismar und am 16.04.2015 konnte ich sie am gleichen Standort erneut finden und beobachten. Zu meiner Überraschung, waren sie am Standort sehr gesellig vertreten, sodass man einen guten Eindruck bekam, wie sie sich in ihrer Entwicklung optisch sehr verändern. Von weiß über braun bis hin zu schwarz. Auch im Folgejahr erschienen am Fundort pünktlich frische Fruchtkörper. Nach persönlichen Beobachtungen scheint diese Art sehr robust und widerstandsfähig zu sein, was Sonne, Wind und Trockenheit betrifft. Junge Exemplare die ich bei anhaltender Trockenheit mit Wasser versorgt habe, sind sogar eingegangen. Andere dagegen konnten sich ohne künstliche Wasserzufuhr prächtig entwickeln. Ich persönlich würde sie als standorttreu bezeichnen. In den letzten Jahren hatten wir sowohl trockene, als auch nasse Frühlingswochen, es gab am Wachstum keine Veränderungen zu beobachten und auch die Anzahl der Fruchtkörper blieben konstant. Kälte vertragen sie nicht gut. 6 Nächte mit Frost, gab es in der Mitte April 2017. Größere Fruchtkörper waren sofort stark geschädigt und haben es nicht überstanden.

 

Kleine Weißstielige oder Braunviolette Lorchel, Helvella leucopus oder spadicea oder monachella.
Bei einer Größe von 0,4 cm noch völlig weiß.

Weißstielige oder Braunviolette Lorchel, Helvella leucopus oder spadicea oder monachella.
Untere Hälfte wurde aus dem Boden gehoben. Gesamtgröße 1,1 cm.

2 Weißstielige oder Braunviolette Lorchel, Helvella leucopus oder spadicea oder monachella.
Bei ca. 2,5 cm schon deutlich dunkler gefärbt.

kleine braune Lorchel, Helvella leucopus oder spadicea oder monachella.
Bei 3 cm ist nur noch der Stiel weiß.

Weißstielige oder Braunviolette Lorchel, Helvella leucopus oder spadicea oder monachella. 2017
Ungefähr um die 5 cm groß.

2 große Weißstielige oder Braunviolette Lorchel, Helvella leucopus oder spadicea oder monachella.
Ungefähr 7 cm groß, aber noch keine reifen Sporen.

Ausgewachsene Weißstielige oder Braunviolette Lorchel, Helvella leucopus oder spadicea oder monachella.
Ab ca. 8 cm wirkt Stiel aufgeblasen und Dellen entstehen.

Querschnitt vom Stiel der Braunviolette Lorchel, Helvella leucopus oder spadicea oder monachella.
In der Regel hohler Stiel, seltener wattig voll.

Längsschnitt Weißstielige oder Braunviolette Lorchel, Helvella leucopus oder spadicea oder monachella.
Querschnitt, wattig hohl. Gut sichtbar, ist das weiße Fleisch.

Sporen, Bild von der Weißstielige oder Braunviolette Lorchel, Helvella leucopus oder spadicea oder monachella.
Sporenbild von Hartmut Schubert.

 

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