Pilztagebuch - 4. Quartal 2016


 

01.10.16 Der Herbst ist nun in Mecklenburg-Vorpommern angekommen. Es ist trüb, bewölkt, windig, teils stürmisch, außer der Regen will einfach nicht über Wismar kommen. Mit den Pilzen läuft es weiterhin auf Sparflamme, hier und da mal einen Fund, aber nichts was man für Anfang Oktober erwarten würde. Es kommt einen vor als würde man im Februar auf Pilzsuche sein. Mal schauen was die nächsten Wochen bringen.

 

04.10.16 Viel Neues gibt es nicht, aus den Pilzgebieten des Wismarer Umlands. Weiterhin keinen Liter Regen und es ist deutlich kälter geworden. Heute Nacht hatten wir bereits in den Ländlichen Regionen Bodenfrost. In dieser pilzarmen Zeit, bastel ich etwas an der Homepage. Versuche alles etwas übersichtlicher zu machen und alle Rubriken zu aktualisieren mit neuen Bildern zu bestücken.

 

06.10.16 Seit heute Morgen nieselt es in Wismar. Es ist nicht viel, aber ein Anfang und besser als nichts. Ich fuhr heute in ein Waldgebiet, um zu schauen, ob ich an den abgesägten Fichtenstubben die wellige Wurzellorchel / Rhizina undulata finden kann. Dem war nicht so, aber konnte ich 4 Fruchtkörper vom seltenen Nadelholz-Röhrling / Buchwaldoboletus lignicola finden, zusammen mit dem Kiefern-Braunporling. Dies entschädigte das nasskalte, windige Wetter und den sonst leeren Wald.

 

07.10.16 Beim heutigen Herbstwetter machte ich mich auf zum Strand, um die Steilküste nach Becherlingen abzusuchen. Leider gab es nichts bis auf nasse Füße. Das Wasser stand noch ziemlich hoch und vom Strandsand war nichts mehr zu sehen. Aber so kann sich der Lehmboden der Steilküste mal schön mit Wasser vollsaugen. Danach schaute ich seit langer Zeit mal wieder, auf dem Friedhof vorbei. Dort war der Boden auch an der Oberfläche staubtrocken. Die nächsten Tage soll es ab und an Nieselregen und vielleicht auch leichte Schauer geben. Es kann nur bergauf gehen.

 

09.10.16 Nun ist es schon der vierte Tag in Folge, mit leichtem Regen. Es kommt zwar immer nicht viel runter, aber langsam ist der Boden schon schön feucht. Ob die großen Röhrlinge es dieses Jahr noch schaffen weiß ich nicht, aber Wiesen-Pilze dürften in den nächsten Tagen zu finden sein. Der Wetterbericht sagt für die komplette nächste Woche auch weiterhin richtiges Herbstwetter vorher. Wenn es jetzt nicht noch kälter wird, dann wird es bald wieder etwas spannender in den Wäldern werden.

 

10.10.16 Heute machte ich eine große Runde durch Wismar. Nach fast 5 Tagen Nieselregen, dachte ich das wenigstens in den Parkanlagen oder auf Wiesen etwas zu finden sei, aber es war eine völlige Nullrunde. In der Nacht waren es nur noch 3 Grad, viel wird wohl dieses Jahr nicht mehr passieren, jedenfalls was seltene Lorcheln oder Röhrlinge betrifft. Aber es gibt ja noch wunderschöne Becherlinge, die es lohnt, zu suchen und zu finden. Werde mich die nächsten Wochen hauptsächlich in Strandnähe aufhalten, um die Pilzflora der Küste besser kennenzulernen. Ich bin gespannt und freue mich schon drauf.

 

11.10.16 In Richtung Westen ging es heute. Der Waldboden war gut feucht und stellenweise richtig nass, mit großen Pfützen. Heute gab es noch so gut wie nichts zu finden. Am Waldweg nur einige Rüblinge und Tintlinge. Nächste Woche werde ich die andere Seite des Waldes begehen und weitere Waldbilder machen und hoffentlich auch einige Bilder von frischen Pilzen. Ein Wald-Portrait folgt in Kürze, unter der Rubrik Waldgebiete in Mecklenburg Vorpommern. Danach ging es noch für eine Stunde auf dem Friedhof, dort gab es noch keine Anzeichen von baldiger Besserung der Pilzflora.

 

13.10.16 Heute habe ich, ein für mich neues Gebiet ausgekundschaftet. Es handelt sich um ein ehemaliges Militärgelände, mit Pioniervegetation uns sehr vielen Birken. Viel Hoffnung etwas zu finden hatte ich zwar nicht, aber wenigstens paar Saftlinge und Rotkappen hätte ich erwartet. Alles, was ich finden konnte, waren Massen an kahlen Kremplingen und Tintlingen. Mal sehen, ob ich dieses Gebiet in Zukunft noch ein mal aufsuchen werde. Da es heute kaum etwas zu finden gab und die Strafen für das Betreten solche Gelände sehr hoch sein können, muss ich darüber nachdenken, ob es sich lohnt.

 

15.10.16 Gestern und heute war ich nur auf Wiesen, Weiden und Parkanlagen unterwegs, alles zusammen sehr ernüchternd. Einige kleine Wiesenkeulen konnte ich finden, sehr wahrscheinlich handelt es sich um Clavaria argillacea. Diese Art finde ich sonst immer erst im November bis Anfang Dezember, aber das spiegelt die momentanen Temperaturen wieder. Kalte Luft bei höchstens 10 Grad am Tag und 1 bis 3 Grad in den Nächten. Das einzige Highlight war an einer altbekannten Stelle, frische Fruchtkörper von Aleurina tenuiverrucosa. Ca. 100 Stück auf einen halben Quadratmeter. Da es sowieso schon schwierig für mich ist, kleine Becherlinge zu fotografieren und das Licht gestern sehr herbstlich dunkel war, folgen die Bilder in den nächsten Tagen.

 

17.10.16 Es kommt langsam wieder etwas Leben in die Wälder, viel ist es noch nicht, aber es wird langsam. Gestern war ich in einem Waldgebiet, westlich von Wismar und hier war der Boden richtig schön nass. An den Waldwegen dominierten hauptsächlich Rüblinge und Tintlinge. Röhrlinge oder Täublinge konnte ich noch keine sehen, aber die werden in den nächsten Tagen auch durch die dicke Laubschicht wachsen. Am Wochenende ist in Rehna Pilzausstellung, also paar Tage haben die Pilze noch Zeit um sich zu zeigen. Spätestens Freitag sollten denn aber Welche zu finden sein, damit die Ausstellungsflächen voll werden.

 

18.10.2016 Heute war ich im Auwald unterwegs. Viel hatte ich nicht erwartet, aber ich sollte nicht enttäuscht werden. Ich fand die 2014 gefundene Peziza celtica wieder. Super, am alten Standort war nichts zu finden, aber 30 Meter weiter im Gras. Ich war Feuer und Flamme, endlich neue Bilder machen und dann kam es hart. Zu meinem Entsetzen stellte ich fest, dass keine Speicherkarte in der Kamera war. Ich entschloss mich, morgen noch ein Mal hinzufahren. Auf dem Weg zum Auto, fand ich Dutzende andere Becherlinge der Gattung Peziza. Ich konnte genau 13 Bilder machen, mehr Platz war nicht auf den internen Speicher. Ich bin immer noch ganz aufgeregt und werde gleich morgen früh los, mit Speicherkarte und mehr Zeit.

 

20.10.16 Gestern war ich noch mal bei den blauvioletten Becherlingen - Peziza celtica. Ich suchte Welche, um noch einige Bilder zu machen. Was heißt suchen, ich brauchte mir nur die Schönsten raussuchen. Ein Meer von Peziza, ein super Erlebnis. Am gleichen Hang stehen im Frühling die Morchelbecherlinge genauso zahlreich da. Heute bin ich schnell nach Jesendorf in den Kiefernwald, um für Torsten einige kleine Nesterdsterne zu besorgen. Zum Glück fand ich welche, weil ansonsten war der Wald völlig pilzfrei. Danach besuchte ich einen kleinen Stadtwald in Strandnähe, dort sah es schon besser aus. Es gab jetzt nichts besonderes, aber in diesem Herbst ist fast jeder Pilz ein Segen.

 

22.10.16 Gestern war ich mit Chris und Roland vom Pilzverein Rehna, auf einer kleinen, aber sehr interessanten Pilztour unterwegs. Von großen Pilzen wie Täublingen und Röhrlingen fehlte jede Spur, aber dennoch war es eine tolle Tour. Es ist sehr spannend, was man alles findet, wenn man nicht alle paar Meter von großen Pilzen abgelenkt wird. Heute wäre ich gerne zur Pilzausstellung nach Rehna gefahren, aber ohne Auto ist schlecht. Da meine Frau gegen Mittag zur Arbeit musste, da hätte sich das nicht gelohnt, für eine halbe Stunde hinzufahren. Ich ging mit den Kindern zum Nachmittag durch den Wismarer Bürgerpark und am Strand entlang, weil Becherlinge und Co. können unverhofft überall auftauchen. Außer einen Lärchen-Röhrling konnte ich nichts finden. Nicht weiter tragisch, weil bei Dauer-Nieselregen macht sich das Fotografieren ohnehin sehr schlecht.

 

24.10.16 Auch wenn sich die Lage an der Pilzfront etwas entspannt, ist es trotzdem noch sehr bescheiden. Hauptsächlich Tintlinge wachsen im Wismarer Stadtgebiet. Von Röhrlinen, Täublingen und Lorcheln fehlt weiterhin jede Spur. Die Hoffnung, dieses Jahr noch die Bischofsmütze - Gyromitra infula zu finden, schwindet immer mehr. Es wachsen ja noch nicht mal Herbstlorcheln oder Grubenlorcheln. Ich hoffe, es wird wieder etwas wärmer. 5 Grad am Tag ist nicht viel und der Nebel bleibt auch fast den ganzen Tag, als wäre es Ende November.

 

25.10.16 Heute inspizierte ich 16 Lorchel-Standorte im Stadtgebiet von der Helvella lacunosa und der Helvella crispa. Nicht eine Lorchel konnte ich finden. Hier und da mal ein paar kahle Kremplinge unter Eichen, aber das kann man wohl nicht als Pilz-Herbst bezeichnen. In den Umliegenden Wäldern von Wismar sieht es nicht besser aus. Stockschwämmchen und Hallimasch kann man finden, aber das ist ja auch nicht die Erfüllung. Ich hoffe, dass ich die nächsten Tage noch ein paar interessante Becherlinge am Strand und an den Steilküsten finden kann.

 

27.10.16 Gestern und heute war ich auf Magerrasen und Parkanlagen unterwegs. Mein Plan, ein paar Saftlinge oder Wiesenkeulen zu finden ging leider nicht auf. Interessante Sachen gab es nicht, nur paar Ackerlinge, Tintlinge, Schopftintlinge und Schwindlinge. Der beste Fund waren 2 Blauweiße Träuschlinge (Stropharia pseudocyanea). Ab morgen werde ich die Steilküsten zwischen Wismar und Boltenhagen unter die Lupe nehmen. Hoffentlich ist es nicht so enttäuschend, wie die letzten Wochen und Monate in den Wäldern.

 

31.10.16 Heute traf ich mich mit Chris Engehardt im Kalkflachmoor bei Degtow. Leider sind alle Wiesen um die ehemaligen Tongruben mit Pferden oder Kühen belegt. Alle gefunden Pilze hätten wir auch im Stadtgebiet bei Gartenanlagen finden können.

 

01.11.2016 Halloween ist vorbei, aber gruselig ist es ja schon seit Wochen an der Pilzfront. Gestern und heute ist es dunkel, nebelig und es nieselt immer mal wieder, bei milden 11 Grad. Wenn es jetzt nicht wieder deutlich kälter wird, können wir im Landkreis Nordwest-Mecklenburg doch noch auf Pilze im Wald hoffen. Gestern war ich im Prosekener Grund und auf verschiedenen Wiesen unterwegs, weiterhin dominieren Helmlinge und Tintlinge die Pilzlandschaft. Donnerstag werde ich zum letzten Mal für dieses Jahr in das Klaasbachtal fahren und hoffentlich das ein oder andere finden können.

 

02.11.16 Heute schaute ich ins Klaasbachtal, ein wundervoller Anblick, wie die Sonne das bunte Laub zum leuchten bringt. Da der Wind heute teils kräftig Gas gegeben hat, machte ich nur eine schnelle Runde. Es ist immer ein mulmiges Gefühl, bei starkem Wind unter den alten Buchen und Eichen. Dadurch, dass der Wind in der Nacht ordentlich das Laub von den Bäumen schüttelte, sah ich so gut wie keine Pilze am Boden. Anschließend besuchte ich noch eine Kiesgrube, wo ich wunderschöne Sandborstlinge - Geopora sp. fand. Inzwischen wurden mir in den letzten Tagen, einige Funde der seltenen Bischofsmütze - Gyromitra infula gemeldet. Aus der Münchener Ecke, aus dem Westerwald, aus der Region Marburg und ein Fund aus der Schweiz.

 

03.11.16 Heute war es wirklich angenehm, zwar nur 9 Grad, aber dafür hatten wir in Wismar endlich mal wieder Sonnenschein. Da ich mich morgen wieder mit Chris Engelhardt treffe, schaute ich mir einige Gebiete an, an denen wir Becherlinge suchen und bestenfalls auch finden können. Nach einen kurzem Telefonat entschlossen wir uns, in einer Kiesgrube unser Glück zu versuchen. Was dabei rauskommt, werden wir morgen sehen. Das Wetter soll nicht so schön werden, aber wir sind ja nicht aus Zucker.

 

05.11.16 Gestern war ich bei nasskaltem Wetter, mit Chris in einer Kiesgrube bei Roggenstorf. Pilze gab es reichlich, Tausende um genau zu sein. Leider waren ist überwiegend nur 2 Arten, die unter den jungen Birken und Weiden wuchsen. Flaumige Milchlinge (Lactarius pubescens) und Bittersüße Risspilze (Inocybe dulcamara). Trotzdem konnte wir das Eine oder Andere finden. U.a. Großsporiger Sandborstling (Geopora arenicola), weiße Spitzkeulchen (clavaria acuta). Heute war echt mieses Wetter. Ich fuhr schnell zum Auwald, um ungeklärte Becherlinge zu fotografieren. Viel Freude hatte ich nicht, denn es war Treibjagd, aber das hielt mich nicht davon ab im Regen die Becherlinge zu suchen. Zwei konnte ich finden, aber die waren leider kaputt und nicht mehr schön für ein Bild. Den Nachmittag nutzte ich um Bilder aus diesem Jahr zu sortieren und einige davon hier auf der Seite einzufügen. Es hat sich eine Menge angesammelt und so werde ich nun die nächsten Wochen mehr und mehr hier auf der Seite hochladen.

 

06.11.16 Bei dem schlechten Wetter heute, besuchte ich meine Mutter in Rostock. Ich konnte nicht widerstehen und schaute unterwegs noch an einer Rotkappen-Stelle vorbei. Diese haben es dieses Jahr nicht mehr geschafft, aber wunderschöne Körnchen-Röhrlinge in bester Qualität, selten habe ich solch große Fruchtkörper in so gutem Zustand gesehen, hart, fest, keine Maden und den Schnecken ist es wohl auch zu kalt. Auf dem Rückweg machte ich noch eine Runde über dem Rostocker Friedhof. Leider konnte ich nichts Schönes finden, bei der Masse von Laub die dort lag. Heute Nacht soll es unter dem Gefrierpunkt gehen, mal schauen wie das Wetter sich die nächsten Tage entwickelt.

 

09.11.16 Nachdem der Winter dieses Jahr schon sehr zeitig eingetroffen ist, sieht es mit den Pilzen nun noch schlechter aus. Aber davon lassen wir uns nicht abschrecken, Pilze gibt es immer zu finden. Nächste Woche geht es wohl wieder auf 7 bis 9 Grad, mit Sonnenschein. Hoffentlich trifft es auch so ein, weil dieses Jahr war der Wetterbericht nämlich nicht sehr genau mit seinen Prognosen.

 

12.11.16 Die letzte Woche war ich zeitlich etwas eingespannt, aber ab Dienstag ist es wieder etwas ruhiger. In der Zwischenzeit, haben die Becherlinge die ich vorletzte Woche in einem Auwald an Totholz gefunden habe, auch einen Namen. Es handelt sich zweifelsfrei um die durchaus seltene Peziza ampliata - Vielgestaltiger Becherling. Danke an Ralf Dahlheuser, Hartmut Schubert und Torsten Richter. Ab der kommenden Woche soll es mit den Temperaturen wieder leicht bergauf gehen. Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass ich diesem Jahr noch einige schöne Funde verbuchen kann. Ansonsten denke ich, wird es auch im Winter nicht langweilig. E gibt in der Natur immer irgendwas zu entdecken und zu fotografieren. Vielleicht haben wir mit dem Wetter in jüngster Zukunft etwas mehr Glück, als in den letzten 3 Monaten.

 

15.11.16 Wie der Wetterbericht angekündigt hat, ging heute das Thermometer bis auf 5 Grad hoch. Durch leichte Regenfälle verschwindet der liegende Schnee recht schnell. Für die nächsten 2 Wochen ist auch kein Frost mehr angesagt und das heißt, die Suche nach Lorcheln und Becherlingen geht weiter. Die Winterpilze kommen noch früh genug und ich habe es auch nicht eilig mit denen. Morgen werde ich gleich eine Tour machen und danach etwas die Steilküsten nach Pilzen absuchen.

 

18.11.2016 Die letzten zwei Tage waren recht herbstlich, windig, nass und ungemütlich. Viel Zeit war sowieso nicht vorhanden, da unsere Kleine Geburtstag hatte und eine Menge zu tun war. Gestern war ich im Auwald, die letzten kleinen Schneeinseln waren nun auch geschmolzen, aber am Fundort der Peziza ampliata war nichts mehr zu finden. Es sah auch schlagartig ganz anders aus, durch Schnee und starken Wind, sind zahlreiche Eschen und Erlen umgekippt und das klebrige niedergedrückte Laub erschwerte die Suche nach den gut getarnten braunen Becherlingen. Heute wollte ich eigentlich etwas weiter weg, aber es regnete heute Morgen sehr stark. Ich entschloss mich, nach dem Regen etwas an der Steilküste nach Pilzen zu suchen. Durch die noch etwas wärmere Luft der Ostsee, hielt sich der Frost an Wassernähe in Grenzen. Überrascht war ich über die Artenvielfalt, verschiedene Ritterlinge, Schleierlinge, Helmlinge ... leider gab es keine Becherlinge, aber dafür konnte ich zum ersten Mal den Holzkohlenpilz finden. Wenn man nichts erwarten, kann man nur positiv überrascht werden. Mal schauen was die kalten Monate so zu bieten haben. Ich habe mir groß auf die Fahne geschrieben, die seltene Trollhand diesen Winter zu finden. Mal sehen, aber irgendwas findet man immer.

 

19.11.16 Bei schönstem Wetter fuhr ich heute mit den Kindern in die Richtung Crivitz bei Schwerin. Sonne den ganzen Tag und das bei bis zu 10 Grad, besser geht nicht. Pilze gab es erstaunlich viele, obwohl es in dieser Gegend auch eine Woche lang Schnee und Dauerfrost gab. Unter Kiefern gab es Massen von jungen frischen Butter-Röhrlingen und Frost-Schnecklingen. Die Wiesenkeulen und Korallen, die ich gesucht habe, konnte ich leider nicht finden. Aber alles besser, als nichts zu finden. Sogar einige junge Fliegenpilze schoben sich wieder durch den Boden. Das macht Mut, die Ecke um Schwerin in einer Woche noch mal aufzusuchen.

 

20.11.16 Gestern Abend erreichte mich eine E-Mail von einen glücklichen Torsten Richter. Er fand schöne violett gefärbte Becherlinge an der Steilküste in West-Mecklenburg. Die Bestimmung mittels Mikroskop ergab ein sicheres Ergebnis. Peziza exogelatinosa hieß das Kind. Toll, die kannte ich bisher nur von Bildern. Nach der freundlichen Wegbeschreibung machte ich mich gleich heute Morgen, bei noch sonnigem Wetter an die beschriebene Stelle. Nach ca. 30 Minuten war ich da und suchte die rutschige Steilküste nach weiteren Exemplaren ab. Es hat etwas gedauert, aber am Ende konnte ich trotz Nieselregen noch einige Bilder machen. Leider wurde das Wetter zum Mittag hin immer schlechter und ich beendete dreckig, wie ich vom Lehmboden war, die Suche. Einige noch unbekannte, aber sehr schöne Borstlinge konnte ich noch sicherstellen und fotografieren. Ab dem Mittag wurde es denn recht stürmisch und es regnete immer wieder mal.

 

22.11.16 Heute habe ich den Vormittag am Strand verbracht. Besser gesagt an den Steilküsten von Wohlenberg bis zur Weißen Wiek und von Beckerwitz bis nach Hohen Wieschendorf. Bei wirklich milden 11 Grad heute kam man richtig ins schwitzen an den rutschigen lehmigen Hängen. Über die Gefahren sollte man sich in diesem Moment besser keine Gedanken machen. Es ist schon ziemlich beeindruckend, wenn man als kleiner Mann vor den gewaltigen Lehm- und Tonmassen steht. Na ja, jedenfalls habe ich mit der Taschenlampe fast jeden Meter abgeleuchtet, aber leider nichts Besonderes gefunden. Einige Borstlinge konnte ich finden, wahrscheinlich Melastiza chateri. Auch wenn ich nicht das finden konnte, was ich wollte, war es trotzdem ein toller Tag an der Ostsee.

 

23.11.16 Heute war noch mal richtig schönes Wetter. Ich fuhr in einen Kiefernwald auf sandigen Boden und anschließend schaute ich in den Wismarer Bürgerpark. Vor 2 Jahren gab es dort Unmengen von Grubenlorcheln und dieses Jahr nicht eine. 8 Standorte kenne ich da und schaute mindestens ein mal pro Woche dort vorbei, nichts! Anschließend bin ich mit meiner Tochter noch zum Seeblick Park und mitten auf dem Rasen, in einer Moosinsel, standen winzig kleine gelbe Saftlinge. Das Moos war größer, die Kleinsten konnte ich nur mit der Lupe sehen. Ich dachte immer das Saftlinge nur auf nährstoffarmen Böden wachsen. Man wird doch immer wieder positiv überrascht, wenn man die Augen offen hält.

 

25.11.16 Gestern und heute hatte ich einiges zu tun, aber dennoch war ich hier und dort mal schauen. Spannende Sachen konnte ich nicht finden und nun bekommen wir auch langsam den Winter zurück. Nachts geht es unter null und am Tag kommen wir auch nur noch auf 5 Grad. Morgen steht eine interessante Tour auf dem Plan. Es geht mit Torsten Richter und Chris Engelhardt in die Richtung Schwerin, dort wollen wir in einer Kiesgrube auf Becherlingsjagd gehen. Finden werden wir mit Sicherheit was, nur was genau ist die Frage.

 

26.11.16 Heute Vormittag traf ich mich nun mit Torsten und Chris und suchten sorgfältig eine Kiesgrube bei Schwerin ab. Es war doch sehr kalt und man merkte, dass die Temperaturen in den letzten zwei Nächten unter null gingen. Vielen Pilzen sah man es deutlich an, aber nach Speisenpilzen waren wir sowieso nicht aus. Dauerbegleiter war der Großsporige Sandborstling, den es da zu Tausenden gab. Unter Kiefern alte Butter-Röhrlinge, hier und da mal kleine leuchtende Moosbecherchen. Helvellla oder Peziza konnte wir leider nicht finden, aber es war eine tolle Tour und allemal besser, als in der Wohnung zu sitzen.

 

28.11.16 Traumhaftes Wetter herrschte heute, wolkenlos bei angenehmen 8 Grad. Ich nutze dieses Wetter, um auf der Insel Poel die Steilküste nach Becherlingen abzusuchen, leider ohne Erfolg. Man hatte auch keine Ruhe, denn nicht nur ich war bei diesem Wetter an der frischen Luft. Es war voll an den Stränden und auf den Wanderwegen, als wenn Hochsaison ist. Morgen versuche ich noch mal mein Glück an Wohlenberger Wiek.

 

30.11.16 Nachdem ich gestern weiter an der Lorchelseite gearbeitet habe und Bilder aus diesem Jahr sortiert habe, wollte ich heute Vormittag auf die Insel Poel, um in den Dünen nach Pilzen zu schauen. Auf halber Strecke habe ich aber gedreht, weil das Wetter richtig unangenehm wurde. Suchen hätte ich zwar trotzdem können, aber bei starkem Wind und leichtem Regen, macht das fotografieren in Bodennähe und im Sand keinen Spaß. Ich sortierte stattdessen meine getrockneten Lorchelproben. Ich stieß auf die im Sommer fotografierte weiße Lorchel, so richtig sicher bin ich mir noch nicht. Entweder ist es eine weiße Grubenlorchel (H. lacunosa var. alba) oder doch eine Milchweiße Lorchel (H. lactea). Ich werde sie mir über den Winter unters Mikroskop legen und hoffen das das Exemplar reife Sporen hatte und ich zu einem Ergebnis komme.

 

02.12.16 Gestern kam es zum Super-GAU! Vor ein paar Wochen kaufte ich mir einen neuen und nicht gerade billigen USB-Stick um mal alle Bilder auf einen Stick zu haben. Gesagt getan, nachdem alle Bilder und Daten von mehreren Sticks, Laptop und PC kopiert waren, habe ich meinen Laptop auf Werkseinstellung gesetzt. Gestern wollte ich nun eine Sicherungskopie machen und auch wieder alles auf den Laptop machen, um so alles doppelt zu haben (falls mal etwas ist). Ich steckte den Stick rein und mir wurde schlecht! Alle Ordner waren mit komischen Zeichen beschriftet und nichts ging mehr, nach wiederholtem reinstecken war nun überhaupt nichts mehr drauf. Auch mit einem Wiederherstellungsprogramm passierte nichts mehr, ich hätte explodieren können. So verbrachte ich zwei Tage damit, wenigstens ein bisschen was zu retten. Die Mühe hat sich gelohnt, von Speicherkarten, Sticks und aus versendeten E-Mails konnte ich den Schaden etwas eingrenzen. Das größte Loch klafft zwischen Juni bis September diesem Jahres. 5 Funde tun besonders weh, weil ich nicht weiß, ob ich sie noch mal finden werde. Am Nachmittag bin ich an die Steilküste gefahren, um bei schönem Wetter auf andere Gedanken zu kommen. Pilze gab es kaum, aber ein paar schöne Schmutzbecherlinge konnte ich entdecken.

 

03.12.16 Heute war noch mal richtig schönes Wetter, aber deutlich kälter. Der Winter kommt so langsam zurück. Da ich heute wenig Zeit hatte, konnte ich nur ein wenig im Stadtgebiet nach Pilzen schauen. Meine kleine Tochter wollte noch etwas Roller fahren und nebenbei guckte ich hier und da nach Pilzen. Außer ein paar Judasohren, Gallertpilzen und paar Kohlenbeeren konnte ich nichts finden. Heute Abend werde ich noch ein paar getrocknete Lorcheln aus dem Sommer mikroskopieren die Helvella-Übersicht weiter bearbeiten. Morgen geht es nach Rostock und mal sehen, wie das Wetter mitspielt, werde ich davor oder danach noch einen Blick in den Wald werfen.

 

06.12.16 Frische Pilze zu finden ist im momentan nicht gerade leicht, nachts Minus Grade und tagsüber leichte Plus Grade mit Sonnenschein. Der Wind hat sich gedreht und seit gestern ist das Wasser wieder flacher geworden, sodass man wieder an die Steilküste kann. Mal sehen, ob sich noch eine Gelegenheit ergibt, dieses Jahr noch mal auf die Suche nach Peziza moseri zu gehen.

 

08.12.16 Heute war es wunderbar mild draußen, aber leider bei trübem Herbstwetter. Da es teilweise recht stürmisch war, bin ich nicht wie geplant in den Buchenwald gefahren, stattdessen bin ich in einem Erlenbruch. Da finde ich es bei starkem Wind etwas sicherer. Die typischen Winterpilze machen sich nun vermehrt breit. Die Suche nach Becherlingen ist bei dem nassen Wetter mühselig, das feuchte Laub klebt regelrecht auf den Boden. Ich fotografierte ein paar langweilige Gallertbecher und paar Meter weiter fand ich doch noch sehr hübsche Peziza's. Vielleicht gibt es schon bald einen Namen.

 

10.12.16 Die milden Temperaturen halten an und es sieht bis jetzt so aus, als wenn wir auch zu Weihnachten fast zweistellige Plusgrade bekommen. Trotz frühlingshaften Wetter ist es dunkel, nebelig und nass. Es lädt nicht gerade ein, um auf Pilzjagd zu gehen, obwohl es den Pilzen wohl gefallen dürfte. Deswegen geht es morgen früh auch raus! Entweder in ein Moorgebiet oder ich versuche mein Glück noch mal an der Steilküste. Ich werde es spontan entscheiden und mal sehen ob es was Schönes gibt.

 

12.12.16 Heute ging es erneut in den Auwald. Solange es Plusgrade sind, werde ich dies ausnutzen. Der gefundene Becherling vom 08.12. hat nun einen Namen, es handelt sich um Peziza ampliata. Das Schöne ist, dass es mehrere Fruchtkörper am Fundort gab, sodass ich mir einen guten Eindruck von verschiedenen Altersstadien machen konnte. Gestern konnte ich leider keine mehr finden, aber solange es so feucht und mild bleibt, werden es bestimmt nicht die letzten Becher für dieses Jahr gewesen sein. Morgen und übermorgen soll, aber spätestens am Donnerstag werde ich dieses Jahr noch mal in einen großen Buchenwald fahren.

 

13.12.16 Es ist wieder etwas kühler geworden, aber Frost sollte die nächsten Tage nicht kommen. Heute war ich nur entlang der Ostsee, Samtfußrüblinge dominierten und außer ein paar Schleimpilzen gab es nicht viel. Morgen soll es nur ab und an etwas nieseln und das heißt, ich werde morgen schon in das Klaasbachtal aufbrechen. Die Buchen und Eichen haben ihre letzten Blätter verloren und vielleicht gibt es noch das ein oder andere zu finden.

 

18.12.16 Da mich meine Magenprobleme die letzten Tage beschäftigt haben, hatte ich keine Zeit um in den Wäldern rum zu schleichen. Heute ging es mir schon deutlich besser, und wenn das Wetter mitspielt, werde ich morgen eine kleine Tour machen. Wo es genau hingeht, werde ich spontan vom Wetter abhängig machen. Die vergangenen Tage war es grau und trüb, am Tag um die 5 bis 8 Grad und in der Nacht schwanken die Temperaturen bei null herum.

 

19.12.16 Das Wetter war heute nicht schön, aber es blieb trocken. Da seit Tagen kein Nordwind mehr herrscht, beschloss ich heute, das letzte Mal für dieses Jahr die Steilküste zu besuchen. Bei 5 Grad machte ich mich auf und wie erwartet war das Wasser deutlich zurückgegangen und man konnte entspannt an die Steilküste. Nach 3 Stunden klettern und ableuchten der Hänge, habe ich die Suche ohne Beute abgebrochen. Ein letztes Mal kletterte ich die Steilküste hoch und fand unerwartet doch noch drei makellose violett-braune Becherlinge. Jetzt wurde es noch anstrengender, die lehmig, feuchten sandigen Steilküsten sind wirklich hoch und teils sehr rutschig, dass Fotografieren ist da nicht gerade ein Vergnügen. Ich musste einhändig Freihand knipsen. Es lohnt sich doch immer, vor die Tür zu gehen und nach Pilzen zu suchen.

 

23.12.16 Die Wälder sind fast pilzleer, außer jede Menge Austernseitlinge. Wer sie mag, kann momentan in den Wäldern schnell fündig werden. Da wo es etwas feuchter ist, sind die Samtfußrüblinge auch nicht weit. Bei den Temperaturen gibt es keine Veränderungen, am Tag um die 5 Grad und nachts bei 0. Über Weihnachten soll es stürmisch werden, also lieber die alten Buchen- Eichenwälder meiden. Das kann man nutzen, um an den Steilküsten oder Dünen nach Pilzen zu suchen. Ich werde die Tage mal auf die Insel Poel, um in den Dünen nach Peziza ammophila zu schauen. Das wäre ein schöner Jahresabschluss.

 

28.12.16 Von den Temperaturen her ist es momentan draußen wirklich angenehm. Bei milden 9 Grad fuhr ich heute Richtung Neukloster, aber unter Buchen und Eichen sah es nicht so rosig aus. Das schwere nasse Laub, macht es einem fast unmöglich etwas wie Becherlinge und Co. zu finden. Danach fuhr ich Richtung Jesendorf um zu sehen, ob die Schwarzweißen Becherlorcheln wie letztes Jahr im Dezember stehen, aber dem war nicht so. Unter Kiefern und Fichten sieht das allgemeine Pilzaufkommen deutlich besser aus. Nichts was mich vom Hocker gerissen hat, aber immerhin konnte ich einige Runzelige Keulen finden. Ein mal werde ich noch los dieses Jahr. Wohin genau, weiß ich noch nicht, denke es wird in einen Auwald gehen. Da dürfte es am interessantesten werden.

 

31.12.16 Zum letzten Mal war ich heute, bei kaltem und ungemütlichem Wetter auf der Suche nach Pilzen. Ein wirklich grauer Tag, von morgens bis abends hielt sich starker Nebel bei null Grad. Frische Pilze konnte ich weder unter Buchen noch unter Fichten feststellen. Da ist das Jahr schon wieder vorbei. Aus der Sicht von Speisepilz-Sammler war es kein gutes Pilzjahr. Mitte Juni kamen für die nächsten 11 Wochen das letzte Mal nennenswerter Regenschauer über Nordwest-Mecklenburg. Kaum hatte sich die Lage Mitte Oktober etwas entspannt, kam Anfang November eine Woche mit Schnee mit Dauerfrost übers Land. Das ist zwar ärgerlich, aber nicht zu ändern. Lorcheln gab es so gut wie keine dieses Jahr. Im Frühling fing es schon mit (im Vergleich zu Vorjahren) extrem wenigen Frühjahrlorcheln an und dieser Trend zog sich wie ein roter Faden durch das Jahr. Auch wenn nur in geringer Anzahl, konnte ich dennoch einige Erstfunde für mich bei den Lorcheln verbuchen, wie Helvella costifera, Helvella corium und Helvella phlebophora. Aber ich wurde 2016 noch mit anderen tollen Pilzen belohnt, so konnte ich einige seltene und vor allem schöne Becherlinge der Gattung Peziza finden. Aber auch über andere Funde habe ich mich gefreut, zum Beispiel über den Schwarzhütige Steinpilz, Zitronengelben Öhrling oder über das Europäische Goldblatt. Andere persönliche Highlights des Jahre, sind unter Fundliste vermerkt. Ich wünsche Euch allen ein gesundes neues Jahr und kommende Saison wieder volle Pilzkörbe.