Pilztagebuch - 3. Quartal 2018


01.07.2018 Sonne satt, aber das Gute ist, es kann nicht mehr trockner werden. Es ist schon erschreckend und frustrierend zugleich, dass es in den letzten drei Monaten (April, Mai und Juni), nur ein mal in Wismar geregnet hat. Diese 15 Liter, die den Tag gefallen sind, haben allenfalls das Gras für eine Zeit lang wieder etwas grün gemacht. Auch wenn es nicht die Massen sind, Pilze gibt es trotz der Dürre und für mich gab es in der letzten Woche sogar einige Erstfunde. Gestern war ich ein kleines Bachtal bei Barnekow inspizieren und konnte unter anderem die recht seltenen Wasser-Becherlinge (Miladina lecithina) finden. Heute war ich mit den Kindern entlang der Ostsee unterwegs und neben gelegentlichem Baden, schaute ich mir einige interessante Ecken an, die ich mir im Spätherbst genauer ansehen möchte. Warum auch immer, habe ich mich heute sehr über einen gelben Blasenstrauch (Colutea arborescens) gefreut. Den habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen und überlege schon den ganzen Tag, wo ich sie als Kind des Öfteren wachsen sah, aber mir fällt es nicht ein.

 

02.07.2018 Es war eine Frage der Zeit, bis es wegen der Trockenheit, in Mecklenburg brennt. Seit vorgestern gab es 13 großer Ackerbrände, sodass durch Feuer und Rauchentwicklung einige Landstraßen und auch Abschnitte von Autobahnen gesperrt wurden. Die Feuerwehr im Dauereinsatz, und als wenn das nicht schon genug wäre, brannte es gestern auch noch durch Brandstiftung in einem Wald bei Neustrelitz. Frische Pilze zu finden wird immer schwerer, deswegen standen heute auch keine Pilze auf dem Programm, sondern Familientag. An die Ostsee fahren wir wegen zunehmenden Massentourismus nur noch selten, deswegen ging es heute zu einem schönen See, zwischen Wismar und Rostock. Ganz ohne Pilze ging es doch nicht und so notierte ich mir alte Brandstellen und Überreste von alten Lagerfeuern, denn auf solchen Plätzen kann man im Herbst durchaus interessante Pilzarten entdecken. Morgen mache ich wieder eine Pilz-Tour.

 

04.07.2018 Strahlend blauer Himmel und kein Wölkchen oder geschweige mal eine Regenwolke am Horizont zu sehen. Die Feuerwehr hat die Tage gut zu tun, der Umkreis von Wismar wurde bisher aber noch verschont. Die paar Pilze, die es aus dem Boden schaffen, werden durch die Trockenheit und den teils frischen Wind, in kürzester Zeit luftgetrocknet. Regen ist auch weiterhin nicht in Sicht, sodass sich die Lage wohl noch weiter zuspitzen wird. Mal sehen, ob ich es morgen schon schaffe, ansonsten werde ich erst am Freitag in ein Moorgebiet fahren. Pilze gibt es dort mit Sicherheit, hoffentlich auch was Feines, was mich interessiert.

 

06.07.2018 Während die meisten Pilze durch die anhaltende Trockenheit nicht wachsen wollen, der fahle Röhrling hingegen verträgt ganz unbeeindruckt die Dürre und steht sogar recht zahlreich auf dem Wismarer Friedhof. Diese Exemplare werden es aber auch schwer haben, denn der Wind bläst recht frisch. Die Kombination von Wärme und Wind ist nicht gerade Pilz-freundlich, abgesehen davon das in den Wäldern zurzeit eh nichts wächst. Gestern war ich im Feuchtgebiet bei Wismar unterwegs, es gab viele Schildborstlinge, aber nichts Besonderes und nichts Neues dabei gewesen. Kurz vorm Schluss konnte ich doch noch zwei kleine gelbe Becherlinge (Ascobolus foliicola) finden. So gab es immerhin, neben zahlreichen Mückenstichen, auch eine neue Art für mich, die gestern Abend in aller Ruhe unter dem Mikroskop studiert habe. Pilze gibt es eben immer und in der Regel, sind die Kleinen sogar hübscher und interessanter als die Großen.

 

08.07.2018 Es gibt nicht viel Neues, weiterhin Sommer und Sonne. Mir gehen auch langsam die Ideen aus, wo und in welchen Ecken ich bei dieser Trockenheit noch nach Pilzen ausschau halten kann. Ein Ende dieser extrem langen Durststrecke ist auch weiterhin nicht in Sicht. Zwar ist für den kommenden Mittwoch Regen angekündigt, aber ob es so kommt und wenn, werden die paar Liter dennoch nicht für eine positive Veränderung an der Pilzfront reichen. Morgen werde ich, wie die letzten zwei Tage auch, mit der Familie was unternehmen. Vielleicht entdecke ich unterwegs ein kleines vielversprechendes Biotop, welches ich mir genau anschauen kann.

 

10.07.2019 Jetzt ist es 14:30* und es sieht aus, als würde Mecklenburg-Vorpommern heute etwas Regen abbekommen. Bis jetzt sieht es nicht danach aus, als würde es auch in der Wismar-Region regnen, deswegen werde ich jetzt bis zum Abend, noch eine Tour zwischen Wismar und Rostock machen. Mal sehen, vielleicht gibt es was. 20:40* ich fühle mich vom Wetter verar***t. Ein Regenband zog eben von ost nach west, über die Ostsee an Wismar vorbei. Ein weiteres zieht gerade von Neubrandenburg nach Schwerin rüber, also südlich von Wismar entlang. Wenigsten konnte ich vorhin an einem Waldtümpel noch was finden. Ich werde mich jetzt nicht weiter über das Wetter ärgern, sondern setze mich an das Mikroskop und versuche die Scutellinia zu bestimmen.

 

11.07.2018 Heureka - es regnet! Heute Morgen hat es recht kräftig geregnet und im Laufe des Tages, kam es immer wieder zu Nieselregen oder kurzen Schauern. Wie viel insgesamt zusammengekommen ist und ob es in der kommenden Nacht noch zu einem Nachschlag kommt, kann ich noch nicht sagen. In Vorpommern soll es definitiv in der Nacht noch kräftig Regen geben, aber ob die vollbepackten Wolken es auch bis Mecklenburg schaffen, bleibt offen. Egel, wie viel Liter es nun sind, für meine Zwecke sollte es erst mal ausreichen und ab nächster Woche, wird es auf jeden Fall wieder abwechslungsreicher werden.

 

16.07.2018 Absolut tote Hose an der Ostsee, zumindest was das Wachstum der Pilze betrifft. Von der erhofften Entspannung an der Pilzfront, durch den kürzlich gefallenen Regen (+-18 Liter), ist nichts zu merken. Zwar hat sich das Waldbrandrisiko minimiert, aber ansonsten war es viel zu wenig Niederschlag. Seit vorgestern brennt der Planet wieder und die Forstbehörden werden in absehbarer Zeit auch wieder Alarmschlagen. Freitag war ich beim Pilzverein in Rehna zum gemeinsamen Grillen geladen und davor inspizierte ich noch einige Wälder, die auf dem Weg lagen. Kurz und knapp, außer extrem vielen Mücken, Zecken und lästigen Hirschlausfliegen gab es nichts. Samstag und Sonntag ging es mit der Familie weg und heute erkundete ich, ob der Regen doch den einen oder anderen Pilz sprießen ließ. Ein paar überständige Hexenröhrlinge konnte ich sichten und das war bis auf einen Wurzelrübling auch schon alles. Sehr frustrierend, die anhaltende trockene Wetterlage.

 

19.07.2018 Nach wie vor gleichen einige Teile von Mecklenburg-Vorpommern einer Wüste, zu meinen Bedauern gehört Wismar zu den Spitzenreitern der Trockenheit. Seit 110 Tagen haben wir fast durchgehend Sommerwetter, Wismar ist quasi vom Winter in den Sommer gerutscht. Laut dem Wetterbericht wird es nicht besser, eher schlechter. Die Temperaturen werden in den nächsten Tagen deutlich ansteigen und auch der Wind wird ein ständiger Begleiter an der Küste bleiben. Egal, da müssen wir nun hier durch. Gestern war ich mit den Kindern in Rostock unterwegs und auf dem Rückweg konnte ich tatsächlich auch noch fündig werden. An einem Waldweg bei Bad Doberan, fand ich fünf kleine, 3 mm rote Borstlinge und ich konnte sie nach dem Mikroskopieren als Scutellinia umbraum abheften. Ein guter Fund für unser Bundesland und in Zeiten, wo so gut wie nichts wächst, freut man sich natürlich doppelt darüber.

 

22.07.2018 Sommer, Sonne und Hitze, viel mehr gibt es aus dem Wismarer Umland nicht zu berichten. Die Waldbrandstufen wurden von den Forstämtern mittlerweile wieder raufgestuft, auf 4 und teilweise auf die höchste Stufe 5. In den nächsten Tagen werden die Temperaturen noch bis auf 34 Grad ansteigen und demzufolge wird auch das Pilzwachstum nicht zunehmen. Weiterhin heißt es für mich, in Auwäldern und Mooren unterwegs zu sein.

 

25.07.2018 Gestern ging es mit der Familie zum See bei Neukloster, ich setzte mich für eine Stunde ab und zog durch den angrenzenden Wald. Wie zu erwarten war, gab es nicht einen Ständerpilz, aber am Gewässerrand konnte ich noch kleine Kurzhaarborstlinge (Melastiza flavorubens) und winzige Knopfbecherlinge der Gattung Orbilia finden. In der Zwischenzeit wachsen auch endlich kleine Becherlinge auf einigen Proben, die ich letzte Woche in Kultur genommen habe. Nun warten sie, mit einer Größe von einem halben Millimeter, auf ihre Bestimmung. Meine Kamera schafft es leider nicht, diese Winzlinge zu fotografieren. Die Sonne brennt heute wieder, mit Temperaturen bis 35 Grad im Schatten. Am Samstag können sie ein paar Wärmegewitter zusammenbrauen, aber das wird auch nichts an der schlechten Pilzsituation ändern. Wie dem auch sei, Trübsal blasen bringt auch nichts. An Langeweile und an kleinen Pilzen mangelt es ohnehin nicht. Wenn alles klappt, werde ich mit Torsten Richter und Chris Engelhardt, am Freitag in ein altes Torfabbaugebiet fahren. Mit etwas Glück, gibt es schon Peziza limnaea oder andere tolle Sachen zu finden.

 

28.07.2018 Eine Affenhitze ist das! Am frühen Abend gibt hoffentlich etwas Abkühlung, durch etwas Regen, bevor es morgen wieder mit Sonne und den gewohnten Temperaturen, bis 34 Grad weitergeht. Die letzten Tage habe ich hauptsächlich mikroskopiert, bestimmt, Mikrobilder gemacht und nun werde ich alle bestimmten Funde mit Bildern auf der Seite hochladen. Für die großen Pilze wird der angesagte Regen nicht ausreichen, aber vielleicht wird man in jüngster Zukunft, wieder an Waldwegen fündig werden. Ich bin gespannt und freue mich, egal ob mit oder ohne Regen. An Frischpilzen mangelt es nicht, da ich jetzt alle Dosen abgearbeitet habe, werde ich morgen Nachmittag auf die Pirsch gehen und die Dosen wieder füllen. Ein genaues Ziel habe ich noch nicht, das werde ich wetterabhängig machen.

 

31.07.2018 Glück muss man auch mal haben. Auf alten Überresten von Holzkohle fand ich vorgestern kleine gelbe, 2 mm Becherlinge. Heute sahen sie reif aus und ich konnte sie mikroskopieren. Zweifelsfrei kam ich zum Ergebnis, dass es sie um Ascobolus carbonarius handelt. Ein toller Fund und die Art wurde in Mecklenburg-Vorpommern erst wenige Male nachgewiesen. Um genau zu sein, erst 2-mal. Dieter Benkert hat die Art 1973 auf der Insel Hiddensee und Torsten Richter 2016 zu den Tagen der Pilze in Rehna gefunden. Bei so einem schönen Fund, denkt man mal nicht an die ewig anhaltende Trockenheit, die seit Monaten bei uns herrscht. Ach was rede ich, in Wismar hat es doch vorgestern geregnet, stolze 1 bis 2 Liter. Ein Witz! Nur mit Galgenhumor kann man es noch ertragen.

 

04.08.2018 Man mag es kaum noch schreiben, aber der Sommer hat uns weiterhin voll unter Kontrolle. Nun sind es mehr als 4 Monate her, seitdem es ergiebige Regenfälle in Wismar gab. Die gesamte Literzahl für die Region Wismar beläuft sich weiterhin auf traurige +- 32 Liter, seit Anfang April. Seitdem gibt es fast täglich Sonne von morgens bis abends, Temperaturrekorde in unseren Breiten und trockne Luft. Das legt nicht nur die Pilzfreunde lahm, sondern fast alle sind betroffen, Landwirte, Tiere und die gesamte Natur verdorrt. Auch in der nächsten Zeit wird sich an der Lage nichts ändern und große Pilze wird es erstmal nicht zu finden geben, das heißt aber nicht, das nichts wächst. Gerade kleine Ascomyceten gibt es in Feuchtgebieten immer zu finden und wenn nicht jetzt, kann man sich dafür Zeit nehmen. Wer weiß, was man bei solch extremen Wetterbedingungen finden kann. Einige Arten warten jahrelang auf so eine Wetterlage, bis alles passt und sich ihre Fruchtkörper ausbilden. Heute Nachmittag werde ich zum See und nebenbei, werde ich den Schilfgürtel absuchen, in der Hoffnung etwas zu finden.

 

07.08.2018 Auch Wismar schwitzt die letzten Tage wieder unter der Hitze, aber ab Donnerstag soll es etwas kühler werden, unter der 30-Grad-Marke. Mit etwas Glück könnte es am Donnerstagabend sogar Regen geben, aber bestimmt kommt es wieder anders, und auch wenn es so kommen sollte, diese paar Liter bringen auch nichts. Ich habe aufgehört mich darüber aufzuregen und in diesem Sinne, werde ich jetzt mit meiner Tochter zum Strand und den Feierabend genießen.

 

11.08.2019 Von dem Hochsommer in den Herbst, so fühlt es sich momentan an. Vorgestern hatte es in Wismar tatsächlich mal geregnet, ungefähr 20 bis 25 Liter dürften es gewesen sein, seitdem recht frischer bis böiger Wind und die Temperaturen im Sturzflug, von 36 auf 18 Grad. Heute kam es im Laufe des Tages auch hin und wieder zu kleinen Regenschauern, nicht viel, aber immerhin trocknet so der Wind nicht gleich wieder alles trocken. Die Masse an Pilzen wird es durch die kurzen Regengüsse nicht geben, aber ich denke, in den nächsten Tagen, wird es trotzdem das eine oder andere zu finden geben. Waldbrände gab es auch wieder in Mecklenburg, ein mal brannten ca. 15 Hektar munitionsbelasteter Kiefernwald bei Lübtheen, dann ein Feld mit Waldrand bei Jesendorf und ein Waldbrand bei Lübesse südlich von Schwerin.

 

15.08.2018 Seit einer Woche ist es recht herbstlich in Wismar geworden, grau und trüb, windig und gelegentlich gibt's kleine kurze Regenschauer. In der Masse ist es nicht viel Niederschlag, aber dadurch, dass der Himmel bedeckt ist, trocknet nicht gleich alles wieder ab. Den einen oder anderen Becherling wird es die Tage bestimmt aus dem Boden locken. So werde ich morgen nach Rehna fahren und mit Torsten Richter eine Exkursion machen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir fündig werden. Gestern habe ich eine nette Zusendung mit frischen Becherlingen zugeschickt bekommen und ich hatte was zum Mikroskopieren. Bald gibt es wieder mehr zu finden, und wenn Zeit ist, kann man immer gerne Zusendungen bearbeiten. So hat man auch die Möglichkeit Ascomyceten kennenzulernen, die vielleicht in Mecklenburg-Vorpommern nicht wachsen. Eine Win-win-Situation für beide Beteiligten.

 

16.08.2018 Der Sommer ist wieder da, mit viel Sonne und Temperaturen bis 30 Grad. Bevor es aber heute so richtig warm wurde, machten Torsten und ich uns auf, um Moosbecherlinge zu suchen (Lamprospora & Octospora). Wir wurden nicht enttäuscht. Der absolute Top-Fund heute war Leucoscypha leucotricha, ein kleiner seltener weißer Becherling. Ansonsten gab es Scutellinia, Hymenoscyphus, Orbilia und sogar teils richtig schöne Hutpilze.

 

20.08.2018 Die letzten Tage habe ich neue, aber auch bekannte Pilzreviere besucht und musste zu meinem Bedauern feststellen, dass es wirklich übel aussieht, was das Wachstum von Pilzen angeht. Bis auf ein paar überständige Hexen- und Bitter-Röhrlinge, konnte ich nichts an Frischpilzen finden. Währendessen hat Torsten Richter mir ein Bild, von der kürzlich gefunden Leucoscypha leucotricha geschickt und mir die Erlaubnis erteilt, dieses hier auf der Seite zu zeigen. Jetzt kann man die wahre Schönheit von diesen kleinen, um die 2 mm großen Becherling, sehen. Ein echt hübscher Pilz und ein Seltener obendrein. Wenn das Wetter mitspielt, werde ich morgen eine kleine Exkursion starten.

 

25.08.2018 Kein Aprilscherz, es hat heute in Wismar tatsächlich geregnet. Nicht viel, aber gute 45 Minuten hat es leicht bis mäßig geregnet. Für Waldpilze wird dies nicht ausreichen, da der meiste Niederschlag auf den Blättern liegen bleibt und den Waldboden gar nicht erst erreicht. Mit etwas Glück hat es aber für ein paar Wiesenpilze gereicht und für ein paar Becherlinge, entlang der Waldwege. Mittlerweile gab es in Norddeutschland mehr Waldbrände, als ich große Pilze in diesem Jahr gefunden habe. Nichtsdestotrotz habe ich fast täglich etwas zu tun am Mikroskop. So hat man mal die Möglichkeit, andere spannende Gattungen und Arten kennenzulernen, die man sonst aus Zeitmangel weniger beachten würde. Wenn das Wetter noch ein Tag so bleibt, male ich mir gute Chancen aus, ab nächste Woche wieder mehr zu finden.

 

28.08.2018 In den Mecklenburger Wäldern herrscht unverändert gähnende Leere, außer auf dem Wismarer Friedhof konnte ich einige Frischpilze sehen. Morgen werde ich wieder los, ein paar Pilze wachsen ja immer, man muss sie eben nur finden. Heute bekam ich noch ein Päckchen mit verschiedenen Becherlingen aus Rheinland-Pfalz, eine Peziza und eine Pachyella. Bestimmt habe ich sie schon, aber später werde ich noch einige Mikrobilder machen und alles abheften.

 

31.08.2018 Nachdem es gestern ein paar Stunden geregnet hat, dürfte es sich an der Pilzfront etwas entspannen und ab nächster Woche, könnte man durchaus auch mal wieder Pilze im Wald finden. In Wismar gab es über den Tag verteilt, zwischen 15 und 20 Liter Regen. Nicht der Kracher, aber für einige Arten könnte es an lichten Stellen gereicht haben. Für morgen und Sonntag habe ich mir schon zwei Wälder ausguckt, die ich mir mit den Kindern mal anschauen werde. Für Montag habe ich auch eine gute Adresse im Kopf, denn ich werde mit Chris Engelhardt eine Exkursion starten. Ich bin mir mehr als sicher, dass wir reichlich finden, fotografieren und Mikroskopieren werden.

 

02.09.2018 Gestern und heute war ich in einigen Wäldern unterwegs, um mir einen Eindruck zuverschaffen, ob und wo sich in nächster Zeit was Pilziges entwickeln könnte. Pilze konnte ich durchaus finden, nur leider nicht das, was mich interessiert. Rotfuss-, Lärchen-, Hexen-Röhrlinge, ein Riesenbovist, Frauentäublinge und einige unbestimmte Haarschleierlinge. In einigen Wäldern scheint es gut geregnet zu haben und anderen dagegen sind staubtrocken. So wie beispielsweise in Wismar, der harte Mergelboden braucht wesentlich mehr Niederschlag, hier wird auch in naher Zukunft nicht viel passieren.

 

04.09.2018 Bei sommerlichen Temperaten fuhr ich heute in einem Wald mit Kiefern und Fichten, zwischen Wismar und Grevesmühlen. Es gab so gut wie keine frischen Pilze, der einzige dominierende Begleitpilz der gesamten Tour, war der falsche Pfifferling. Die einzigen erwähnenswerten Arten waren zwei fast perfekte Nadelholz-Röhrlinge und ein großer glänzenden Lackporling.

 

05.09.2018 Die letzten zwei Tgae, besuchte ich einige Biotope in Wismar. Kurz und knapp, ein wirklich erschreckendes Bild. Bis auf überständige wurzelnde Bitterröhrlinge (an 4 Standorten) gab es nichts, was nur annähernd einen Pilz ähnlich sah. Die Böden sind so hart und stark ausgetrocknet, dass es nicht mal das Unkraut schafft zu wachsen. Ich wollte wenigstens etwas finden und ging darauf hin, zur Steilküste. Da gibt es immer Bereiche, die durch das Austreten von Sickerwasser feucht sind. Als ich ankam, traute ich meinen Augen nicht, alles trocken. Ich kämpfte mich durch die Büsche, bis hin zu den Austrittstellen und selbst da, sah ich nur große knochentrockene Höhlen. Von Feuchtigkeit, keine Spur. Da kann man sich gut vorstellen, wie es denn ca. 10 Meter höher in den Parkanlagen aussieht.

 

07.09.2018 Nachdem in Mecklenburg-Vorpommern die ersten Rotkappen gefunden wurden, kontrollierte auch ich heute einige Stellen und sie waren wirklich voll mit Pilzen. Raufuß-Röhrlinge gab es heute sehr viele, der Birkenröhrling war deutlich in der Überzahl, aber von der Qualität her, überzeugten junge Espen-Rotkappen. Da ich zum essen ohnehin keine Pilze sammel, blieben alle nach dem Fotografieren am Fundort. Der nächste Sammler freut sich drüber. Gestern war ich noch in einem Wald bei Züsow, nur einige Rotfuss-Röhrlinge konnte ich sehen. Es hat ohnehin keinen Spaß gemacht und ich wollte schnell wieder weg. Die Waldarbeiter haben diesen alten schönen Wald so verunstaltet, er ist nicht wiederzuerkennen. Alles kaputt, die Baumstämme raus und alles, was nicht zu verwerten ist (was kein Geld bringt), bleibt liegen. So funktioniert Natur- und Artenschutz bestimmt nicht.

 

10.09.2018 Gestern war in den Wäldern, bei Bad Doberan unterwegs. Sehr trocken, kaum mal einen Frischpilz, aber dafür viele Krause Glucken. An fast jedem Baumstumpf, wuchs mindestens eine. Heute war ich in Rehna unterwegs zur Preisverleihung, es ging um den Stiftungspreis 2018. Mehr dazu, in den nächsten Tagen. Vor dem Termin fuhr ich noch eine alte Kiesgrube bei Gadebusch an und wurde von Birkenröhrlingen, fast erschlagen. Solche Massen habe ich noch nicht gesehen. Einige Espen-Rotkappen und paar Körnchenröhrlinge waren auch vertreten. Da mich Speisepilze aber nur ganz am Rande beschäftigen, lockte mir das kein grinsen ins Gesicht. Als ich aber mittendrin zwei Exemplare vom schwarzen Birkenpilz (Leccinum scabrum var. melanuem) sah, gab es doch noch was für die Kamera. Ein Bild zeige ich morgen, da ich die Bilder von heute noch nicht auf dem Laptop habe. Zum heutigen Termin brachte mir Chris Engelhardt noch schöne Becherlinge aus dem Breeser Moor mit. Die werde ich noch Mikroskopieren und einige Mikrobilder anfertigen.

 

11.09.2018 Heute Morgen roch es schon richtig nach Herbst. Leichter Regen, recht frischer Wind und kühler ist es geworden. Die Temperaturen kämpften sich aber im Laufe des Tages, doch noch zu angenehmen 22 Grad hoch. Heute Nacht und am morgigen Vormittag kann es erneut zu leichten Schauern an der Küste kommen. Jeder Tropfen ist weiterhin recht herzlich willkommen. Es wird nun täglich etwas besser und vor allem artenreicher in unseren Wäldern. Nur beschleicht mich der Verdacht, dass es der Winter in diesem Jahr sehr eilig haben wird und glaubt man an die sogenannten Bauernregeln, könnte dieses Szenario tatsächlich eintreffen. Aber bleiben wir mal entspannt und kümmern uns lieber um das Jetzt und die kommenden Wochen.

 

13.09.2018 Bei Nieselregen war ich gestern auf dem Wismarer Friedhof unterwegs. Es gab sogar einige Pilze, unter anderem frische Anis-Champignons. Bei super Wetter war ich heute auf einer Wiese unterwegs, auf der ich letztes Jahr ein paar seltene Erdzungen gefunden habe. Alles ziemlich trocken, aber dennoch konnte ich einige schöne Arten finden. Schwärzende (Hygrocybe conica) und Spitzgebuckelte (Hygrocybe persistens) Saftlinge und ca. 20 Exemplare vom Kleinsten Scheidling (Volvariella pusilla). Das ist man zweiter Fund, von dieser recht seltenen Art. Als Bonus fand ich noch kleine Moosbecherlinge (Octospora axillaris var. tetraspora), auf einen altem Maulswurfshügel.

 

15.09.2018 Gestern war ich noch mal auf der Suche nach Wiesenpilze, bevor der Wind alles vertrocknen lässt. Da sieht man, wie schnell es geht, vorgestern noch frische Saftlinge und gestern war schon alles trocken und nicht mehr schön anzusehen. Dafür fand ich ein paar große Pilze, die ich so schön fand, dass ich auch mal einen Hutpilz fotografierte und näher anschaute. Es dürfte sich um Garten-Schirmlinge (C. brunneum) handeln, sie sind zwar weit verbreitet, aber keinesfalls häufig. Heute ist es für den Wald zu windig, also werde ich mir eine Alternative überlegen, wo es heute Nachmittag auf Pilzjagd geht.

 

17.09.2018 Lange gesucht und heute konnte ich den zottigen Schillerporling endlich finden, aber zu meinem Bedauern, in ca. 8 Meter Höhe an einen riesigen Eschenbaum. Dementsprechend schlecht sind auch die Bilder geworden, aber was soll's, Fund ist Fund. Ansonsten gab es nur ein paar Flockstielige Hexenröhrling und Kahle Kremplinge. Gestern Abend war ich mit meiner Tochter noch im Wismarer Bürgerpark und konnte ganz unerwartet den dottergelben Erdborstling (Cheilymenia vitellina) finden. Klasse Spätsommer Wetter und zwei seltene Pilze in zwei Tagen, so lasse ich mir das gerne gefallen.