Pilztagebuch - 3. Quartal 2018


01.07.2018 Sonne satt, aber das Gute ist, es kann nicht mehr trockner werden. Es ist schon erschreckend und frustrierend zugleich, dass es in den letzten drei Monaten (April, Mai und Juni), nur ein mal in Wismar geregnet hat. Diese 15 Liter, die den Tag gefallen sind, haben allenfalls das Gras für eine Zeit lang wieder etwas grün gemacht. Auch wenn es nicht die Massen sind, Pilze gibt es trotz der Dürre und für mich gab es in der letzten Woche sogar einige Erstfunde. Gestern war ich ein kleines Bachtal bei Barnekow inspizieren und konnte unter anderem die recht seltenen Wasser-Becherlinge (Miladina lecithina) finden. Heute war ich mit den Kindern entlang der Ostsee unterwegs und neben gelegentlichem Baden, schaute ich mir einige interessante Ecken an, die ich mir im Spätherbst genauer ansehen möchte. Warum auch immer, habe ich mich heute sehr über einen gelben Blasenstrauch (Colutea arborescens) gefreut. Den habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen und überlege schon den ganzen Tag, wo ich sie als Kind des Öfteren wachsen sah, aber mir fällt es nicht ein.

 

02.07.2018 Es war eine Frage der Zeit, bis es wegen der Trockenheit, in Mecklenburg brennt. Seit vorgestern gab es 13 großer Ackerbrände, sodass durch Feuer und Rauchentwicklung einige Landstraßen und auch Abschnitte von Autobahnen gesperrt wurden. Die Feuerwehr im Dauereinsatz, und als wenn das nicht schon genug wäre, brannte es gestern auch noch durch Brandstiftung in einem Wald bei Neustrelitz. Frische Pilze zu finden wird immer schwerer, deswegen standen heute auch keine Pilze auf dem Programm, sondern Familientag. An die Ostsee fahren wir wegen zunehmenden Massentourismus nur noch selten, deswegen ging es heute zu einem schönen See, zwischen Wismar und Rostock. Ganz ohne Pilze ging es doch nicht und so notierte ich mir alte Brandstellen und Überreste von alten Lagerfeuern, denn auf solchen Plätzen kann man im Herbst durchaus interessante Pilzarten entdecken. Morgen mache ich wieder eine Pilz-Tour.

 

04.07.2018 Strahlend blauer Himmel und kein Wölkchen oder geschweige mal eine Regenwolke am Horizont zu sehen. Die Feuerwehr hat die Tage gut zu tun, der Umkreis von Wismar wurde bisher aber noch verschont. Die paar Pilze, die es aus dem Boden schaffen, werden durch die Trockenheit und den teils frischen Wind, in kürzester Zeit luftgetrocknet. Regen ist auch weiterhin nicht in Sicht, sodass sich die Lage wohl noch weiter zuspitzen wird. Mal sehen, ob ich es morgen schon schaffe, ansonsten werde ich erst am Freitag in ein Moorgebiet fahren. Pilze gibt es dort mit Sicherheit, hoffentlich auch was Feines, was mich interessiert.

 

06.07.2018 Während die meisten Pilze durch die anhaltende Trockenheit nicht wachsen wollen, der fahle Röhrling hingegen verträgt ganz unbeeindruckt die Dürre und steht sogar recht zahlreich auf dem Wismarer Friedhof. Diese Exemplare werden es aber auch schwer haben, denn der Wind bläst recht frisch. Die Kombination von Wärme und Wind ist nicht gerade Pilz-freundlich, abgesehen davon das in den Wäldern zurzeit eh nichts wächst. Gestern war ich im Feuchtgebiet bei Wismar unterwegs, es gab viele Schildborstlinge, aber nichts Besonderes und nichts Neues dabei gewesen. Kurz vorm Schluss konnte ich doch noch zwei kleine gelbe Becherlinge (Ascobolus foliicola) finden. So gab es immerhin, neben zahlreichen Mückenstichen, auch eine neue Art für mich, die gestern Abend in aller Ruhe unter dem Mikroskop studiert habe. Pilze gibt es eben immer und in der Regel, sind die Kleinen sogar hübscher und interessanter als die Großen.

 

08.07.2018 Es gibt nicht viel Neues, weiterhin Sommer und Sonne. Mir gehen auch langsam die Ideen aus, wo und in welchen Ecken ich bei dieser Trockenheit noch nach Pilzen ausschau halten kann. Ein Ende dieser extrem langen Durststrecke ist auch weiterhin nicht in Sicht. Zwar ist für den kommenden Mittwoch Regen angekündigt, aber ob es so kommt und wenn, werden die paar Liter dennoch nicht für eine positive Veränderung an der Pilzfront reichen. Morgen werde ich, wie die letzten zwei Tage auch, mit der Familie was unternehmen. Vielleicht entdecke ich unterwegs ein kleines vielversprechendes Biotop, welches ich mir genau anschauen kann.

 

10.07.2019 Jetzt ist es 14:30* und es sieht aus, als würde Mecklenburg-Vorpommern heute etwas Regen abbekommen. Bis jetzt sieht es nicht danach aus, als würde es auch in der Wismar-Region regnen, deswegen werde ich jetzt bis zum Abend, noch eine Tour zwischen Wismar und Rostock machen. Mal sehen, vielleicht gibt es was. 20:40* ich fühle mich vom Wetter verar***t. Ein Regenband zog eben von ost nach west, über die Ostsee an Wismar vorbei. Ein weiteres zieht gerade von Neubrandenburg nach Schwerin rüber, also südlich von Wismar entlang. Wenigsten konnte ich vorhin an einem Waldtümpel noch was finden. Ich werde mich jetzt nicht weiter über das Wetter ärgern, sondern setze mich an das Mikroskop und versuche die Scutellinia zu bestimmen.

 

11.07.2018 Heureka - es regnet! Heute Morgen hat es recht kräftig geregnet und im Laufe des Tages, kam es immer wieder zu Nieselregen oder kurzen Schauern. Wie viel insgesamt zusammengekommen ist und ob es in der kommenden Nacht noch zu einem Nachschlag kommt, kann ich noch nicht sagen. In Vorpommern soll es definitiv in der Nacht noch kräftig Regen geben, aber ob die vollbepackten Wolken es auch bis Mecklenburg schaffen, bleibt offen. Egel, wie viel Liter es nun sind, für meine Zwecke sollte es erst mal ausreichen und ab nächster Woche, wird es auf jeden Fall wieder abwechslungsreicher werden.

 

16.07.2018 Absolut tote Hose an der Ostsee, zumindest was das Wachstum der Pilze betrifft. Von der erhofften Entspannung an der Pilzfront, durch den kürzlich gefallenen Regen (+-18 Liter), ist nichts zu merken. Zwar hat sich das Waldbrandrisiko minimiert, aber ansonsten war es viel zu wenig Niederschlag. Seit vorgestern brennt der Planet wieder und die Forstbehörden werden in absehbarer Zeit auch wieder Alarmschlagen. Freitag war ich beim Pilzverein in Rehna zum gemeinsamen Grillen geladen und davor inspizierte ich noch einige Wälder, die auf dem Weg lagen. Kurz und knapp, außer extrem vielen Mücken, Zecken und lästigen Hirschlausfliegen gab es nichts. Samstag und Sonntag ging es mit der Familie weg und heute erkundete ich, ob der Regen doch den einen oder anderen Pilz sprießen ließ. Ein paar überständige Hexenröhrlinge konnte ich sichten und das war bis auf einen Wurzelrübling auch schon alles. Sehr frustrierend, die anhaltende trockene Wetterlage.