Pilztagebuch - 2. Quartal 2019

April * Mai * Juni


03.04.2019 Viel Arbeit und kaum Freizeit, aber dafür habe ich Freitag frei. Das Wetter soll ganz gut werden und ich werde eine Tour durch ein tief eingeschnittenes Bachtal mit viel Totholz machen. Dieses Gebiet habe ich mir schon seit zwei Jahren vorgenommen und immer auf die richtigen Wetterbedingungen gewartet. Passte denn mal die Jahreszeit und das Wetter, dann hatte ich nicht genügend Zeit. Wenn ich bis in dieses Zielgebiet fahre, dann möchte ich auch ein wenig da bleiben und nicht durch den Wald hetzen, wie ich es in der Vergangenheit leider viel zu oft gemacht habe. Ich bin sehr gespannt, was es alles zu finden gibt und freue mich drauf. Dadurch, dass der Frühling in diesem Jahr schon früher begann, sind viele schon im Morchelfieber und auch im Norden wird es nicht mehr lange dauern, bis die ersten Morcheln auftauchen.

 

06.04. Zeit und traumhaftes Wetter, aber in die angedachte Bachschlucht schaffte ich es trotzdem nicht. Dieses werde ich am nächsten Wochenende nachholen, in Begleitung von meinem Pilzfreund Chris Engelhardt. Dennoch war ich gestern und heute unterwegs und inspizierte einige Stellen von Frühlingspilzen. In den Kiesgruben ist es jetzt schon wieder viel zu trocken und von der ledrigen Lorchel (Helvella corium) gab es auch noch kein Exemplar zu finden. Zuverlässige Stellen an denen die Speisemorcheln erfahrungsgemäß schon früher auftauchen, waren auch noch leer. Vereinzelt paar Spitzmorcheln auf und neben Rindenmulch. Im Schatten auf Lebermoos gab es Bryoscyphus atromarginatus (kleine Becherlinge). Am Stausee schieben sich die ersten weißstieligen Lorcheln (Helvella spadicea) aus dem Boden. In den Kiefernwäldern erreichen die Frühjahrslorcheln (Gyromitra esculenta) und Scheibenlorcheln (Discina ancilis) ihren Wachstumshöhepunkt. Wo es morgen hingeht, steht noch nicht fest. Das Wetter soll zumindest wieder herrlich werden, also geht es mit der Tochter sowieso raus in die Natur.

 

07.04. Wie immer zu dieser Jahreszeit jage ich der Riesenlorchel hinterher. So war es auch heute, nur mit dem Unterschied, dass ich sie heute wirklich finden konnte. Es war kein schönes Exemplar mehr, aber bei dieser Seltenheit und nur einem Fruchtkörper, kann man nicht noch wählerisch sein. Dafür waren die Sporen schon reif, was bei dieser Gattung erst geschieht, also hatte es auch was Gutes. Das Wetter war wie angekündigt vom Feinsten und das merkt man auch in einigen Wäldern, es ist jetzt schon wieder teils sehr trocken.

 

09.04.2019 Arbeitsbedingt sah ich heute an einigen Stellen im Wismarer Stadtgebiet Spitzmorcheln auf Rindenmulch wachsen. Im stark befahrenen Kreuzungsbereich sah ich am Vormittag sogar einen Mann mit Plastiktüte bewaffnet, der alle Morcheln einsammelte. Abgesehen davon, dass die Pilze direkt neben einer Hauptstraße wachsen und das Sammeln in einem Kunststoffbeutel nicht gerade vorteilhaft ist, befindet sich in diesem großen angelegten Beet mehr Hundekot, als alles andere. Jeder wie er mag, aber mein Ding wäre es nicht. Ich bin gespannt, wie sich die Frühjahrspilze weiterhin entwickeln. Kalt ist es wieder geworden, nachts mit Minusgraden und am Tag nicht wärmer als 6 bis 9 Grad. Das Frühjahr scheint schlimmer zu werden als das vergangene Jahr, denn das Landesforstamt von Mecklenburg-Vorpommern hat die Waldbrandgefahrstufen III und für einige Teile von Ost-Mecklenburg sogar schon die Waldbrandstufe IV ausgerufen. Für die jüngste Zukunft gibt es auch in den Wetterprognosen noch nichts zu sehen.

 

12.04.2019 Freitag nach Feierabend war ich noch in einem Auwald und fotografierte einige Morchelbecherlinge. Heute war es genauso eklig kalt wie die gesamte letzte Woche auch und als Bonus gab es noch schönen fiesen Schneeregen. So ist das eben im April und ab morgen soll es dann auch endlich wieder wärmer werden. Leider ist von dem dringend benötigten Niederschlag für Mensch und Natur weiterhin keine Spur. Wir nehmen es wie immer sportlich und werden morgen zu einer hoffentlich erfolgreichen Exkursion aufbrechen. Ich bin sehr gespannt, ob und was wir so finden werden. Das Zielgebiet ist erstklassig, Wetter soll auch passen, alle Beteiligten haben Lust und keinen Zeitdruck. Das kann doch nur gut werden.

 

14.04.2019 Eine schöne Tour war das heute mit Chris Engelhardt und Torsten Richter. Bester Fund der Tage und gleichzeitig ein persönlicher Erstfund war heute die sehr seltene schildförmige Scheibenlorchel Discina parma.

 

16.04.2019 Abgesehen davon, dass es nachts noch sehr kalt ist, wurde es heute ein schöner milder Frühlingstag. Ich hatte heute einen Urlaubstag und schaute auch an ein paar bekannten Pilzecken nach dem Rechten. Es ist einfach viel zu trocken und von Regen ist beim Wetterbericht keine Rede. Alle meine Morchelstellen waren heute leer, aber am Nachmittag konnte ich, ohne danach gesucht zu haben, die erste Speisemorchel auf einer Wiese in Wismar entdecken. Naturlich mit extremen Trockenschäden.

 

20.01.2109 Nur eine kleine Morchel konnte ich finden, aber das war denn auch schon die ganze Ausbeute der vergangenen drei Tage. Es ist zum Verzweifeln, dass gleiche Szenario wie im letzten Jahr. Trocken, warmwolkenloser Himmel, Sonne von morgens bis abends und um die Sache perfekt zu machen, bläst der Wind auch noch gelegentlich übers Land. Alles nicht gut, wenn man frische Pilze sucht und finden möchte. Ändern kann ich es wie so oft nicht und deswegen werde ich wieder in Feuchtgebieten auf die Jagd gehen müssen.


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