Pilztagebuch - 2. Quartal 2018


02.04.2018 Dieses Wetter ist mal ein echter Aprilscherz. Wismar hat mit stolzen 30 cm Schnee, noch relativ wenig abbekommen, denn in Rostock lag gestern gut das Doppelte. Nun gut, die Temperaturen entspannen sich zur Wochenmitte und damit dürfte alles schnell wegschmelzen. Ich hoffe, und bin mir fast sicher, dass es nun endgültig der letzte Wintereinbruch gewesen sein sollte. Morgen werde mal schauen, ob und wie weit, die Frühjahrslorcheln gewachsen sind. Zudem habe ich auch eine "neue" Kiesgrube ausfindig gemacht und die muss ich mir in den nächsten Tagen, auch mal genauer anschauen.

 

05.04.2018 Gestern war es seit sehr langer Zeit mit 17 Grad angenehm mild und das Schönste war der Sonnenschein. Endlich war es mal wieder richtig hell draußen. In den letzten 4 Monaten hatten wir in M-V ca. 50% weniger Sonnenlicht und ich glaube, wenn ich die letzten 12 Monate vergleichen würde, kommt der gleiche Wert bei raus. Kälte, Sturm, Schnee oder Regen sind das eine, aber wenn es ständig nur dick bewölkt ist, schlägt es einen aufs Gemüt. So wie heute gleich wieder, grau, windig und Regen. Trotzdem war ich natürlich unterwegs, um zu sehen, ob die Pilzwelt langsam erwacht. So besuchte ich ein für mich neues Gebiet, ein altes Kieswerk, welches heute für Motorcross genutzt wird. Pilze konnte ich leider nicht finden, aber dafür konnte ich ein sehr interessantes Lebermoos entdecken. Mal schauen, ob ich es nach dem Mikroskopieren bestimmt bekomme. Dann schaute ich noch, was die Frühjahrslorcheln machen. Die Kleinen, die ich bereits am 15.03.2018 fand, waren teils verschwunden oder überhaupt nicht weitergewachsen. Überraschenderweise fand ich mitten im Wald unter einer umgekippten Kiefer, ein schon recht großes Exemplar, von ungefähr 8 cm Größe. Als ich sie um die Mittagszeit gerade Fotografieren wollte, zog kräftiger Wind durch die Bäume und es fing recht kräftig zu regnen an. Die nächsten Tage wird es freundlicher und Sonntag können wir uns auf Temperaturen bis 19 Grad freuen. Feuchtigkeit ist im Boden ausreichend vorhanden und wärmer wird es auch, es steht also dem Wachstum der Frühjahrspilzen nichts im Weg und wir können entspannt ab nächster Woche auf die Jagd gehen.

 

09.04.2018 Seit letzten Freitag bin gesundheitlich mehr als angeschlagen, deswegen konnte und war ich nicht unterwegs. Von anderen Pilzfreunden aus der Region, weiß ich, dass noch nichts weiter wächst. Mal sehen, wie es mir die nächsten Tage ergeht und ob ich es schaffe, wenigstens einen Tag nach Pilzen zu schauen.

 

11.04.2018 Heute machte ich nach einem Arztbesuch eine große Runde, durch Kiesgruben, Kiefernwald und durch einen Auwald. Alles im Ganzen war es sehr ernüchternd, die Natur hinkt ca. 3 bis 4 Wochen hinterher. Nur ganz wenige und noch kleine Frühjahrslorcheln, gab es unter Kiefern. Unter Fichten stehen die Ersten, aber noch centstückgroßen Scheibenlorcheln. Im Auwald konnte ich bisher noch nicht einen Morchelbecherling finden, obwohl sie dort in der Regel ab Mitte März wachsen. Dass sich alles durch den langen Winter nach hinten verschiebt, war klar, aber das alles wirklich so schleppend vorangeht, hätte ich nicht gedacht.

 

14.04.2018 Grau, trüb und leicht kälter ist es geworden. Obwohl reichlich Niederschlag angekündigt war, hat Wismar nicht viel davon abbekommen. Gerade mal ein paar Tropfen sind hier heruntergekommen, aber das ist alles nicht weiter schlimm, denn die Böden sind noch gut gesättigt. Ab übermorgen soll es wieder freundlicher werden und da die Temperaturen auch steigen dürften wir in M-V ab übernächster Woche, auch mit den ersten Morcheln rechnen. Ich habe heute da weiter gemacht, womit ich vorgestern begonnen habe, nämlich Moosbecherlinge auf Lebermoosen zu suchen. Es könnte noch etwas früh sein, denn es lag an den Stellen bis letzte Woche noch Schnee. Aber wer nicht sucht, kann auch nichts finden. Da die kleinen Becherlinge mich auch nicht anrufen und Bescheid sagen, wann und wo sie wachsen, muss ich weiter auf gut Glück suchen.

 

15.04.2018 So richtig hell und warm wollte es heute nicht werden. Immer wieder einige kleine Regenschauer, bei Höchstwerten um die 10 Grad. Mit den Kindern war ich trotzdem in verschiedenen Biotopen unterwegs, um mir einen groben Eindruck vom momentanen Pilzaufkommen zu verschaffen. Viel ist immer noch nicht los. Unter Fichten nichts, unter Kiefern ganz vereinzelt mal eine Frühjahrslorchel, in Kiesgruben mit lockerstehenden Kiefern gab es die ersten schwarzweißen Becherlorcheln und in den Auwäldern ist von den Morcheln oder Verpeln noch nichts zu sehen. Nicht ein mal kleine Becherlinge, zum Mikroskopieren konnte ich heute finden.

 

19.04.2018 Der vierte Tag in Folge mit wunderbarem Sonnenschein und Temperaturen um die 20 Grad. Heute machte ich eine große Waldrunde und mein Verdacht schien sich zu bestätigen, dass manche Arten dieses Jahr einfach aussetzen. Ich glaube auch, dass das Morchelaufkommen ab nächster Woche nur ein kurzes Aufflammen sein wird. Denn heute konnte ich bereits die ersten hochgerippten Becherlorcheln finden. Überpünktlich, denn sie erscheinen in der Regel immer ab Mitte April, spätestens ab Anfang Mai. Ich bin gespannt, was es an Morcheln dieses Jahr gibt. Optimistisch bin ich diesbezüglich nicht, aber so schlimm ist es auch nicht, solange halt andere Sachen wachsen.

 

22.04.2018 Heute geht der achte Tag mit wolkenfreiem Himmel, Sonnenschein von morgens bis abends und sommerlichen Temperaturen zu Ende. Das ist nun erst mal wieder vorbei, denn ab heute Nacht wird sich das ändern. Die nächsten Tage werden sehr bewölkt und die Temperaturen sinken leider um die Hälfte. Von Speisemorcheln fehlt weiterhin jede Spur, ohnehin ist in den Wäldern wirklich nicht viel los und die Kies- und Tongruben sind mittlerweile knochentrocken. Ich hoffe, dass Wismar die nächsten Tage auch etwas von den angesagten Regen abbekommt, damit die Funga endlich Artenreicher wird.

 

24.04.2018 In der letzten Nacht kamen die ersten angesagten Regentropfen vom Himmel. Das Gewitter, mit lautem Donner und hellen Blitzen sah beeindruckender aus, als Regenmengen runter fielen. Bei recht frischem Wind machte ich noch mal zu einem Kontrollgang durch den Auwald auf. Auch nach intensiver Suche konnte ich nicht einen Morchelbecherling finden, ganz zu schwiegen von einer Morchel. Der Wind frischte immer mehr auf, und nachdem mich eine umkippende Esche, um knapp zwei Meter verfehlte, trat ich mit einem Schreck und ohne Pilze, die Heimfahrt an.

 

25.04.2018 Es ist weiterhin stark bewölkt und recht windig draußen. Hin und wieder ziehen kurze Schauer über's Land, aber dafür gibt es Regenschirme. Heute besuchte ich erfolglos eine meiner besten Morchelstellen im Wismarer Stadtgebiet. NICHTS, nicht mal ein Anzeichen einer Speisemorchel. Einen halben, von Schnecken zerfressenen, ca. 5 cm großen Morchelbecherling konnte ich finden. Der Löwenzahn wächst und steht nun extrem zahlreich an allen denkbaren Ecken und Wegen. Normalerweise beste Morchelzeit, aber dieses Jahr soll es wohl nicht so sein. Inzwischen blüht der Raps leuchtend gelb auf den Feldern und das ist für mich schon immer das Ende der Morchelzeit. Das Pilzjahr 2016 war es extrem trocken, 2017 gab es doppelt so viel Regen wie normal, da gab es außer Schnecken auch nicht viel und dieses Jahr fängt auch schon wieder so richtig sche*** an. Wenn man beim Sport jedes Spiel verliert, macht es irgendwann auch nicht mehr so richtig Spaß ....

 

26.04.2018 Gestern war ich am Stausee bei Wismar und habe geschaut, ob die weißstieligen Lorcheln dieses Jahr wachsen. Die vergangenen Jahre waren sie zu diesem Zeitpunkt schon groß und recht zahlreich vertreten. Gestern konnte ich aber nach langer intensiver Suche nur eine Handvoll finden und die waren mit bis max. 4 cm noch sehr klein. Ein paar Exemplare von der rillstieligen Lorchel (Helvella solitaria) standen auch in der Gegend, diese müssen aber schon ein paar Tage länger am Standort wachsen, denn sie waren deutlich gezeichnet von dem Sonnenschein der letzten Woche.

 

29.04.2018 Da morgen und übermorgen das Wetter sehr durchwachsen sein wird, nutze ich gestern und heute das schöne Wetter. So machte ich heute mit den Kindern bei Sonnenschein und 16 Grad, die erste und letzte Morchel-Tour des Jahres. Ein mal jährlich kann man das machen, aber dann reicht es auch. Da die Morcheln ohnehin sehr spät dran sind und mich andere Arten mehr interessieren, war es sehr erfreulich heute tatsächlich einige Morcheln zu finden und zu fotografieren. Alle gefundenen Morcheln waren noch relativ klein und deshalb schwer in der bereits sehr hochgewachsenen Krautschicht zu finden. Hin und wieder gab es auch ein paar Käppchen-Morcheln und Anemonen-Becherlinge zu sehen. Im Wismarer Stadtgebiet wachsen momentan auch die hochgerippten Becherlorcheln wieder zu Hunderten, unter jungen Eichen und Buchen.

 

03.05.2018 Da ich seit Tagen durchgehend starke Kopfschmerzen habe, halte ich mich kurz, weil das Schreiben am Laptop momentan nicht gerade angenehm ist. Morcheln wachsen nun an mehreren Stellen, allerdings sehr verhalten. Die Einzelexemplare, die man jetzt finden kann, sind entweder durch den anhaltenden Wind oder durch die vielen Schnecken sehr gezeichnet. In den Parkanlagen kann man jetzt immer mehr Maipilze sehen und gestern konnte ich auch mal wieder einen Becherling finden, aber das war leider nichts Besonderes, nur ein Napfbecherling (Tarzetta spec.). Regen haben wir nicht viel abbekommen und weitere Niederschläge sind auch für die nächsten 2 Wochen nicht angesagt.

 

05.05.2018 Sonne satt, ohne Wolken von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Ich kontrollierte einige Stellen, an denen ich Becherlinge oder Lorchel vermutet habe, unter anderem auch in einer Kiesgrube. Es gab aber nicht die Spur von Becherlingen oder sonstigen Pilzen. Ausgenommen sind schuppige Porlinge langweilige Maipilze und paar Tintlinge. Ob ich mein Zielgebiet für morgen anfahre, steht bei den schlechten Bedingungen noch in den Sternen. Ich denke, es bringt nicht viel. Die kurze Morchelzeit ist für dieses Jahr auch rum und da wird auch nicht mehr viel passieren. Morgen, sowie die nächsten Tage bleibt es sehr sonnig, es wird noch wärmer und Regen ist noch nicht in Sicht.

 

09.05.2018 Da ich gestern einen wunderbaren TOP-Fund auf Brunnenlebermoos (Marchantia polymorphahabe) gemacht habe, werde ich das Wetter gleich noch nutzen, um noch mal Bilder von den 2 mm großen Becherlingen zu machen. Einige Bilder von den kleinen Becherlingen (Bryoscyphus atromarginatus), auch unter der Rubrik ---> Moosbecherlinge. Ansonsten haben wir weiterhin sommerliche Temperaturen bis 28 Grad und bis jetzt kam auch noch kein Regen runtergekommen. Morgen könnte es aber aber endlich etwas von oben geben, sogar Gewitter kann übers Land ziehen. Ich bin gespannt, ob es bis an die Küste herankommt. Sollte es so kommen, werden die Pilze auch nicht lange auf sich warten lassen und solange werde ich eben dort rumkriechen, wo noch Feuchtigkeit vorhanden ist.

 

10.05.2018 Von den angesagten Starkregen und Gewitter ist bis jetzt nichts zu sehen, auch auf dem Regenradar ist noch nicht mal eine Regenwolke über M-V in Sicht. Bei schönstem Sonnenschein und 27 Grad, war ich vorhin mit den Kindern Eis essen und konnte, trotz großer Trockenheit die ersten Hexenröhrlinge fotografieren. Jetzt ist es 14.30* und mal schauen, ob im Laufe des Abends doch noch etwas Nass von oben kommt.

 

11.05.2018 Nachdem es gestern seit der Mittagszeit bis in den späten Abend, im Osten von Schleswig-Holstein stark geregnet hatte, kam zum Abend auch eine kleine Menge in Wismar an. Ich verfolgte live das Regenradar, wie andere Menschen ein Länderspiel im Fernsehen. Das Regengebiet zog über Westmecklenburg, aber dennoch direkt an Wismar vorbei. Heute kontrollierte ich einige Böden und es sah nicht gut aus. In den Parkanlagen unter den alten Eichen und Buchen ist es weiterhin trocken. Der Regen hat also nicht mal ausgereicht, um das Kronendach zu durchdringen. Heute ging es denn gleich bei strahlendem Sonnenschein, mit dem Sommerwetter weiter. Nennenswerte Niederschläge sind erst mal für die nächsten 14 Tage nicht im Wetterbericht auszumachen. Schade, aber so ist es eben und man kann es nicht ändern. Auch wenn es weiterhin schlecht mit dem Pilzwachstum in der Wismar-Region aussieht, bin ich mir sicher, bald einige Sachen zu finden.

 

14.05.2018 Lange und sehr intensiv war ich heute in und um Wismar unterwegs. Viel gab es nicht, es ist einfach zu trocken. Heute wurden sogar schon für einige Teilgebiete von Mecklenburg-Vorpommern, die ersten Warnungen bezüglich der Waldbrandgefahr herausgegeben. Auf dem Friedhof gab es zwar ein Exemplar vom fahlen Röhrling (Hemileccinum impolitum) aber schon so unansehnlich, dass ich ihn nicht fotografiert habe. Ansonsten gab es nur Schwefelporlinge, die momentan recht zahlreich an Weide und Pflaumenbäumen wachsen. Ab Mittwoch sollen die Temperaturen etwas in den Keller gehen und einige Schauer können Mittwoch und am Wochenende auch möglich.

15.05.2018 Heute war ich an der Stelle, wo ich kürzlich die Moosbecherlinge (Bryoscyphus atromarginatus) fand, dabei konnte ich den bei uns sehr seltenen Mauerfarn (Asplenium ruta-muraria) sehen und fotografieren. Vielleicht zum letzten mal an diesem Standort, denn dieses kleine fast einzigartige Biotop, wird ab dem nächsten Jahr wegen Denkmalschutzmaßnahmen verschwunden sein. Deswegen zeige ich hier heute keine Pilze, sondern diesen Mauerfarn. Das Wetter war wieder sehr angenehm mit viel Sonne, aber weiterhin kein Regen. Morgen früh gibt es für zwei Stunden eine Regenwahrscheinlichkeit von 34%, das heißt, da wird auch wieder nichts an Regen fallen.

 

17.05.2018 Weiterhin gab es keinen Tropfen Regen und der trockene Wind hat ungünstigerweise auch noch etwas zugelegt. Frische Pilze zu finden ist in diesen Tagen nicht gerade ein leichtes Spiel. Wenigstens konnte ich heute ein einigermaßen ansehnliches Exemplar vom fahlen Röhrling auf dem Friedhof finden. Ansonsten habe ich zwei Zusendungen mit Becherlingen mikroskopiert und für einen Pilzfreund noch eine Kollektion von Moosbecherlingen gesammelt und verschickt. Die Temperaturen sind etwas gesunken, aber dennoch sehr angenehm, da wir den ganzen Tag wolkenlosen Sonnenschein haben.

 

20.05.2018 Regenmenge immer noch bei null und kein Ende der Dürre in Sicht. Wismar erlebt Sommerwetter vom Feinsten, Sonne von morgens bis abends. Nach Schlauchpilzen brauche ich momentan gar nicht erst Ausschau zu halten, alles staubtrocken in der Hansestadt. Heute konnte ich wenigstens die ersten Steinpilze sichten. Morgen werde ich in ein Gebiet fahren, welches ich noch nicht kenne und am Herrentag vom Regen heimgesucht wurde. Dort hoffe ich, fündig zu werden. Ich freue mich schon drauf, seit langem mal wieder einen schönen Tag im Wald zu verbringen und wenn es denn vielleicht noch ein paar schöne Pilzfunde gibt, umso besser. So nun geht's wieder ab zum Strand.

 

22.05.2018 Regen wäre willkommen, aber damit könnte es frühstens ab Montag etwas werden. Alles, was momentan wächst, sind erste Täublinge, Sommer-Steinpilze und Hexenröhrlinge. Die haben aber allesamt extreme Trockenschäden oder sehr viele Mitbewohner. Es wird also noch etwas dauern, bis die Artenvielfalt zunimmt und bis dahin, geht es bei dieser sommerlichen Wetterlage zum Strand.

 

25.05.2018 Es gibt überhaupt nichts Neues zu berichten. Täglich 14 bis 15 Stunden Sonnenschein, Temperaturen bis 28 Grad, dazu trockner Wind. Einen kleinen fahlen Röhrling konnte ich auf dem Friedhof finden und das auch nur, weil die Stelle regelmäßig gegossen wird.

 

27.05.2018 Die Wetterlage ist wie erwartet, unverändert auf Sommer eingestellt, ohne einen Tropfen Regen. So war es auch an diesem Wochenende sehr sonnig und sommerlich warm. Da pilzmäßig überhaupt nichts los ist, verbrachte ich die Tage mit Arbeit, grillen mit der Familie und dabei reichlich Sonnetanken. Heute musste auch ich mich gezwungenermaßen mit der neuen Datenschutz Grundverordnung (DSGVO) auseinandersetzen und einige Sachen an der Homepage machen. Schreiben, ändern, Infos zu diesem Thema hinzufügen, alles transparenter machen und und und. Das auch Privatpersonen, die weder online etwas verkaufen möchten, für irgendetwas Werbung machen oder sonst irgendwie mit ihrer Homepage ein finanzielles Ziel verfolgen, so einen Irrsinn mitmachen MÜSSEN, finde ich persönlich übertrieben. Die großen Macher der Onlinewelt können und machen ohnehin weiter wie gehabt. Hauptsache der Rubel rollt wieder für eine Handvoll Menschen und der Rest der Welt schaut weiterhin in die Röhre.

 

28.05.2018 Heute ist es durch dünne Schleierwolken nicht ganz so sonnig, aber dafür fühlt es sich an wie in einem Gewächshaus, am Nachmittag sehr schwül, um die 29 Grad. Am frühen Morgen hat es wohl etwas genieselt über Wismar und dadurch ist die drückende Luft noch feuchter. Da hier alles staubtrocken ist, war ich heute im Bachtal bei Proseken, unweit von Wismar entfernt, unterwegs. Pilze fand ich so gut wie keine und wenn waren sie schon lange luftgetrocknet, aber einen schönen Fund konnte ich denn doch am Bachrand verbuchen. Kleine leuchtend orange Becherlinge, Miladina lecithina. Ich konnte diese seltene Art zwar schon mal im Sommer 2016 finden, aber für das heutige Gebiet ist diese Art neu. Wir brauchen mal einen schönen zweitägigen Landregen, damit es bei den Pilzen mal wieder Artenreicher wird, aber davon ist nichts in Sicht. Für den Donnerstag gibt der Wetterbericht uns zum Nachmittag eine Regenwahrscheinlichkeit von 53%, wir warten ab. Ich habe mal ein paar Zahlen der letzten Wochen aufgeschrieben, im April hatten wir schon 204 Sonnenstunden und gerade mal 19 Liter Niederschlag und im Mai sind es bis jetzt knapp 340 Sonnenstunden und läusige 5 Liter Regen. Schön ist etwas anderes, jedenfalls für die Pilzfreunde im Land. Urlauber und sonnenhungrige kamen und kommen wenigstens auf ihre Kosten. So ist es manchmal im Leben, man kann es eben nicht jedem Recht machen.

 

30.05.2018 Weiter geht es mit dem hochsommerlichen Temperaturen, gestern und heute sogar deutlich über 30 Grad im Schatten. Die paar Hexenröhrlinge und Steinpilze, die in den Parkanlagen stehen sind völlig luftgetrocknet. Der trockene Wind hat nachgelassen und nun steht die Luft, nachdem wir gestern Temperaturen von bis 35 Grad hatten, fühlt es sich an wie in einem Hexenkessel und wir haben noch Mai. Heute traf ich mich mit Chris, um ihn die kürzlich gefundenen Becherlinge (Bryoscyphus atromarginatus) zu zeigen. Da Chris mit dem Fotografieren schnell fertig war, fuhren wir noch an eine andere Stelle, an dem ich das Lebermoos und auch diese Becherlinge vermutete und sie da, wir wurde tatsächlich fündig. Zwar konnten wir an dem neuen Standort nur vier Fruchtkörper ausmachen, aber damit ist es nun der zweite Nachweis dieser seltenen Art für Mecklenburg-Vorpommern.

 

01.06.2018 Neuer Monat, gleiches Wetter. Wismar befindet nach wie vor, ohne Abkühlung von oben, im Hochsommer. Ich kann also nicht viel, bzw. überhaupt nichts Neues von der Pilzfront berichten. Am Wochenende werde ich also dort nach Pilzen suchen, die nicht von der anhaltenden Dürre betroffen sind, sprich ich werde an Bachufern und Seen unterwegs sein. Ich bin gespannt, weil irgendwas gibt es immer zu finden und gerade bei solchen Ausnahmebedingungen, kann es immer große Überraschungen geben.

 

04.06.2018 Für die momentane Lage ist öde wohl das richtige Wort. Der Duden umschreibt das Wort wie folgt: wenig gehaltvoll oder ansprechend, inhaltslos und langweilig. Die große Hitze ist zwar seit gestern erst einmal vorbei und der Himmel ist stark bewölkt, aber von einem Tropfen Regen sind wir weiterhin weit entfernt. So kroch ich die vergangenen Tage durch Feuchtgebiete, an Bachrändern entlang und schaute an jedem Wasserloch nach Pilzen. Nichts Spannendes dabei gewesen, hier und da mal ein Schleimpilz an altem Holz, aber das sollte es dann auch schon gewesen sein. Ich denke, dass zumindest die Mücken auf ihre Kosten kamen, denn ich wurde von oben bis unten von ihnen durchstochen. Ich möchte auch nicht ständig jammern, aber dieses Jahr verläuft bis jetzt echt schlecht. Erst Frost und Schnee bis in den April rein, dann schlagartig fast täglich 12 bis 15 Stunden Sonne, mit Temperaturen wie im Hochsommer und als Krönung keinen Schluck Niederschlag. Das einzig Gute ist wohl, dass es nicht mehr schlechter werden kann.

 

06.06.2018 Nach zwei Tagen mit Wolken am Himmel ist der Sommer wieder zurück. Strahlend blauer Himmel mit 24 Grad und leichten Wind aus südöstlicher Richtung. Heute war ich an der Steilküste bei Wismar unterwegs und suchte dort die Feuchtbereiche vom Sickerwasser nach Pilzen ab. Einen einzigen Pilz von 5 Millimetern konnte ich finden und den habe ich nicht mal sicher bestimmt bekommen. In der Zwischenzeit bekam ich eine Briefsendung mit frischen Becherlingen aus NRW zum Mikroskopieren. Ich habe vorhin schon mal reingeschaut und bin mir recht sicher, wie das Kind am Ende heißt. Heute Nacht werde ich noch in Ruhe mikroskopieren und Bilder machen. Möchte ja nicht, dass sich bei der Bestimmung dieser hübschen Peziza Fehler einschleichen. Morgen früh habe ich einen Termin beim Kieferchirurgen, er möchte mir alle Weisheitzähne entfernen und ich denke, dass ich danach nicht mehr motiviert bin, auf den harten Wismarer Wüstenboden nach Pilzen zu gucken. Wenn alles gut läuft, werde ich aber am Freitag mit Chris Engelhardt, eine schöne Tour durch ein Bachtal machen.

 

08.06.2018 Da ich heute noch starke Schmerzen von der gestrigen OP hatte, war ich nicht auf der Suche nach Pilzen. Im Kühlschrank wartete aber noch eine Zusendung mit Becherlingen auf mich. Ich hatte vorgestern zwar schon mal kurz mikroskopiert, aber heute setze ich mich intensiv daran. Das Ergebnis ---> Peziza pauli. Der Planet brannte heute wieder, mit reichlich Sonne und Temperaturen bis 29 Grad. Mittlerweile haben wir in einigen Teilen von M-V, Waldbrandstufe 5 erreicht, mehr geht denn nicht mehr. In Brandenburg kam es gestern schon zu mehreren Waldbränden, also lieber kein Lagerfeuer im Wald machen, auch das Rauchen von Zigaretten sollte man in den Wäldern momentan unterlassen.

09.06.2018 Langsam klingt es wie eine kaputte Schallplatte, so schien die Sonne auch heute wieder, von früh bis spät. Die Grünanlagen der Stadt sehen aus wie ein gemähtes Weizenfeld, von grünen Rasen ist schon lange nicht mehr viel zu sehen. Was soll man anderes machen, außer weiterhin auf Regen zu warten. Morgen Nachmittag könnten nach genau 40 Tagen Hochsommer, ein paar Regentropfen vom Himmel fallen. Die Regenwahrscheinlichkeit liegt aber momentan nur noch bei 39%. Man darf gespannt sein, ob es 2 oder 3 Liter werden, eins ist sicher, es wird nur ein Tropfen auf dem heißen Stein werden.

11.06.2018 Gestern kam Regen über das Land, aber wen wundert es noch, Wismar blieb wieder trocken. Dieses Mal ist das Gewitter östlich an Schwerin, in Richtung Rostock gezogen. Es ist sehr frustrierend, diese extremen Wetterlagen. 2016 viel zu trocken, 2017 hat es fast täglich geregnet und dieses Jahr verwandelt sich Wismar in eine reine Staubwüste. Vom ersten April an bis heute hat Wismar nur 3 Liter Niederschlag abbekommen, aber dafür gab es 690 Sonnenstunden. Das ist nicht mehr gesund und da rede ich nicht nur von Pilzen, besonders leiden einige Tiere, Landwirte und die gesamte Natur, unter diesen Bedingungen. Da ich noch relativ starke Schmerzen von der OP habe, war ich über das Wochenende auch nicht weiter unterwegs. Morgen oder übermorgen werde ich hoffentlich einiges nachholen können, denn dann werde ich hoffentlich mal wieder ein paar ruhige Stunden in den heimischen Wäldern verbringen.

 

12.06.2018 Heute ging es mit Chris Engelhardt in das naturbelassene Klaasbachtal. Der Himmel war bedeckt, also auch nicht zu heiß um in dem hügeligen Bachtal unterwegs zu sein. Neue Sachen waren für mich zwar heute nicht dabei, aber es war dennoch eine schöne Exkursion. Nachdem ich Chris eine Ecke mit kleinen lila Becherlingen (Peziza gerardii) gezeigt hatte, konnte ich nach kurzer Zeit sogar eine neue Stelle dieser seltenen Becherlinge entdecken. Alle anderen Arten müssen erst noch mikroskopiert werden, um sie sicher bei Namen zu nennen.

 

14.06.2018 Da sich Wismar weiterhin im Wüstenmodus befindet, suchte ich heute wieder an Stellen, wo Sickerwasser aus der Steilküste tritt. Ich wurde nicht enttäuscht und so fand ich superfrische Schildborstlinge. Leider kam ich heute noch nicht dazu sie zu mikroskopieren, denn ich bekam frische Becherlinge aus NRW zum Bestimmen zugeschickt. Da sie nun schon 3 Tage mit der Post unterwegs waren, musste ich erst diese unter das Mikroskop legen, bevor sie ganz vergammelt waren. Ich konnte relativ schnell beide Arten sicher bestimmen und zudem waren es keine alltäglichen Gesellen. So hat es mich sehr gefreut, die Scutellinia legaliae und Scutellinia crucipila, genauer kennenzulernen.

 

17.06.2018 Heute war ich den ganzen Tag unterwegs, in Regionen, die letztes Wochenende vom Regen heimgesucht wurden. Wälder südlich von Schwerin, über Crivitz und mehreren Ecken der Sternberger Seenlandschaft, schaute ich mir mit den Kindern an. Kaum bis überhaupt keine Spuren von feuchten Böden, außer die Oberflächen waren leicht feucht, dass lag aber eher daran, dass es heute Morgen leicht genieselt hatte. Frischpilze gab es so gut wie keine, hier und da mal ein Porling an den Bäumen und eine kleine Gruppe von Eichen-Milchlingen, auf dem Waldweg bei Brühl. In den Wäldern macht es jedenfalls keinen Sinn, deswegen werde ich nächst Woche, wieder in dauerfeuchten Biotopen nach Pilzen gucken.