Pilztagebuch - 1. Quartal 2016


 

10.02.16 Nando Hiller konnte bereits die Region Leipzig, in einem rekultuvierten Tagebaugebiet, die ersten Frühjahrslorcheln (Gyromitra esculenta) des Jahres finden. So zeitig findet man sie wohl nur in einem Winter ohne Schnee. Glückwunsch.

 

12.03.16 Nun lorchelt es auch endlich in Mecklenburg Vorpommern. Ca. 12 Exemplare der Giftlorchel, konnte ich heute mit meinem Sohn ausfindig machen. Alle noch ziemlich klein, aber das sollte sich bald ändern.

 

13.03.16 Heute war ich schnell eine Stelle im Auwald mit reichlich frischen Schnittlauch kontrollieren, lange musste ich nicht suchen, da fand ich den ersten frischen Morchelbecherlinge des Jahres. Noch ziemlich klein, ca. 10 mm. Ich denke bei guter Witterung sollte es zum Ende des Monats, an dieser besagten Stelle und auch an anderen typischen Morchel-Standorten deutlich interessanter werden.

 

16.03.16 Es scheint, als stelle sich die Natur langsam auf Frühling ein. Strahlender Sonnenschein heute bei angenehmen 9 Grad. Ich war vor dem Mittag kurz nach den Frühjahrslorcheln schauen, aber leider sind es weniger statt mehr geworden. Dafür entwickeln sich andere Sachen prächtig. An vielen Stellen unter Fichte, überall kleine, und noch becherförmige Scheibenlorcheln. Mal schauen, wie schnell sie sich dieses Jahr entwickeln.

 

17.03.16 Heute habe ich einen kleinen Abstecher ans Wasser gemacht und habe mir die lehmige Steilküste etwas genauer angeschaut. Nichts! Anschließend habe ich mich in einem Wäldchen an der Küste umgesehen, auch hier war nichts Besonderes zu finden. Da hier in der letzten Woche einige Baumarbeiten verrichtet worden, werde ich diese Stelle im Sommer noch einmal besuchen und mich auf den Sägeabfällen etwas umsehen. Vielleicht kann ich ein paar Becherlinge finden und beobachten. Rolf Faber aus Goldbach in Thüringen, hat heute einen Kontrollgang auf dem Krahnberg zwischen Goldbach und Gotha unternommen. Ein Kalkgebiet, Mischwald mit überwiegend Buchen. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt musste er feststellen, dass die Natur nur langsam erwacht, aber Rolf konnte sich an riesige Flächen mit Märzenbechern sowie Fichtenzapfen -Rüblinge erfreuen. Aus Erfahrung der letzten 15 Jahre mit den Morcheln schrieb Rolf, dass es in diesen Gebieten noch eine Weile dauern wird, bis es richtig beginnt. In der Region erscheinen die Morcheln erfahrungsgemäß zwischen Mitte April und Anfang Juni. In Österreich / Steiermark wurden zahlreiche Bömische Verpeln gefunden. Da aber nicht selten, wie hier in Norddeutschland. Im südöstlichen Teil Italiens wurden die seltenen Lorcheln Helvella fusca und Helvella spadicea unter Pappeln gefunden, momentane Wetterlage in dieser Region: sonnig, bei Höchstwerten um 18 Grad mit gelegentlichen Schauern, Tiefstwerte in der Nacht bei 9 Grad.

 

18.03.16 Heute ist Freitag und wie soll es anders sein? Zum Wochenende wird das Wetter wieder schlechter. Es war den ganzen Tag, kalt, nass und richtig ungemütlich. Morgens Nebel bei 2 Grad und im Laufe des Tages wurde es auch nicht viel wärmer, bei dichten Wolken, Nieselregen und leichten Wind wurde es am Nachmittag stolze 6 Grad "warm". Ganz anders heute in der Südeifel, bei angenehmen 17 Grad und klarem Wetter war Günter Miglanz unterwegs. Leider war noch nicht viel los in Sachen Pilze. Nur ein paar kleine Samtfußrüblinge zeigten sich und die Frühjahrslorcheln wachsen noch vereinzelt nach. Günter hofft, dass die Nachtfrost bald ein Ende haben und das es bald regnet.

 

19.03.16 Heute Vormittag war es ziemlich bedeckt bei gerade mal 4 Grad. Da es zum Nachmittag aufklarte, habe ich noch zwei Parkanlagen besucht. Eine im Wismarer Stadtgebiet und eine auf der Insel Poel, aber es war mehr als ernüchternd, außer ein paar Rindenpilzen gab es nichts weiter. Die Osterglocken fangen an zu blühen, aber bisher auch nur vereinzelt an windgeschützen Stellen. Besser sieht es im Süden des Landes aus. Südwestlich von Stuttgart konnten die ersten Portionen Speisemorcheln gesammelt werden.

 

20.03.16 Am Wetter hat sich in Wismar nicht viel getan. Am Vormittag bewölkt und zum Nachmittag wieder etwas Sonnenschein, aber mehr als 9 Grad sind auch in der kommenden Woche nicht drin. Abwarten heißt es nun. Am Wochenende habe ich einige Morchelstellen besucht und musste feststellen, dass es noch eine Weile dauern wird. Pflanzen und Kräuter sind längst noch nicht so weit entwickelt, wie letztes Jahr zur gleichen Zeit. In der Zwischenzeit konnte Hartmut Schubert im Harz und Jürgen Dittmar bei Neuburg an der Donau, die ersten Fruchtkörper der sehr seltenen Discina parma finden. Diese seltene Lorchel ähnelt der bei uns häufigen Scheibenlorchel (Discina ancilis), die ebenfalls auf Totholz wächst.

 

22.03.16 Die ersten Anemonen-Becherlinge sind nun an sonnigen Plätzen in Wismar aufgetaucht. Nichts Besonderes, aber an Tagen wo kaum bis nichts wächst, freut man sich umso mehr. Gestern besuchte ich erneut eine Stelle, wo bereits vorletzte Woche die ersten Morchelbecherlinge erschienen sind. Alle noch winzig klein und in den letzten 8 Tagen sind sie nur minimal gewachsen. Erfreuliches aus Österreich, in der Region bei Marchgraben - Wöllersdorf wurde ein schöner Fund gemacht. Es handelt sich um die in Deutschland sehr seltene Schwarzweiße Scheibenlorchel. Ob ich sie irgendwann mal hier im Norden finden werde, ist zwar sehr unwahrscheinlich, aber mein Motto lautet bei der Pilzsuche, unverhofft kommt oft.

 

23.03.16 Am Vormittag sah es heute noch trüb und nass aus, aber zum Mittag verschwanden die Wolken und es wurde richtig sonnig. Nachts liegen die Temperaturen immer noch bei 2 Grad und tagsüber bei höchstens 9 Grad. Bei schönen Wetter bin ich vorerst das letzte Mal in die sandigen Kiefern Wälder gefahren. Alles im Ganzen war es sehr ernüchternd, die Scheibenlorcheln sind in den vergangenen 8 Tagen nur minimal gewachsen. Im Durchmesser ungefähr einen Zentimeter. Das Gleiche galt für die Giftlorcheln. Vor zwei Jahren konnte man in diesem Gebiet kaum laufen, um nicht auf die Frühjahrslorcheln zu treten. Letztes Jahr gab es schon weniger und dieses Jahr konnte ich nur mit viel Glück und lange suchen welche finden. Besser sieht es hingegen in der Steiermark / Österreich aus. Hier wurden Hunderte Böhmische Verpeln gefunden und die ersten Zipfellorcheln strecken dort ihre orangen Köpfe durch die Laubschicht. Beide Arten sind bei uns in Mecklenburg Vorpommern sehr selten.

 

24.03.16 In der Nacht war es leicht eisig, sodass ich am Auto wieder die Scheiben kratzen durfte. Ansonsten war es doch sehr durchwachsen, mal Sonne, mal Nieselregen, etwas windig und mehr als 7 Grad waren auch nicht drin. Trotzdem machte ich mich heute auf um eine Stelle zu kontrollieren, wo ich letztes Jahr Anfang April eine seltene Peziza gefunden hatte. Es war noch nichts zu sehen, vielleicht noch zu früh. Letztes Jahr war die Natur schon wesentlich weiter an der Stelle. Ich werde weiterhin die Stelle beobachten und hoffen, dass sie auch wirklich da noch mal auftauchen. Im Norden oder in der Eifel sieht es noch schlecht aus mit den frischen Pilzen, im Gegensatz zu anderen Teilen des Landes. Im Münchner Raum und auch in Sachsen Anhalt wurden heute kapitale Spitzmorcheln in bester Qualität gefunden.

 

25.03.16 Das Wetter zeigte sich heute nicht von seiner schönsten Seite. Die meiste Zeit war der Himmel grau bedeckt und dazu ungemütlicher Nieselregen bei 8 Grad. Dennoch gab es heute etwas Schönes, zwar nichts Besonderes, aber für mich war es der erste wilde Bärlauch, den ich hier im Kreis Wismar finden konnte. Das nur am Rande, interessanter sind zwei Lorchelfunde. In Slowenien wurden die ersten Riesenlorcheln (Gyromitra gigas)) gefunden. Da ist es schon ein bisschen wärmer, am Tag 17 und nachts um die 10 Grad. Dann gab es noch einen schönen Fund in Griechenland. In einer dicken Moosschicht bei Zypressen wurden einige Exemplare der in mediterranen Gebieten beheimateten Helvella helvellula gefunden. Schöner Fund.

 

26.03.16 Bei frühlingshaften Wetter habe ich heute nicht gezielt nach Pilzen geschaut, sondern habe mir bei 17 Grad und Sonnenschein ein paar vielversprechende Waldgebiete angeschaut. Ich war in Dörfern unterwegs, die kannte ich bis heute nicht mal. Zwei, drei Ecken von heute werde ich mit Sicherheit dieses Jahr nochmals ansteuern. Ein Gebiet hat es mir besonders angetan, ein Pappelwäldchen mit großen alten Pappeln und Birken. Da werde ich mir nächste Woche ein paar Stunden Zeit nehmen. In fast der gesamten Republik steht nun der Bärlauch zum Ernten bereit, dann dauert es nicht mehr lange und der Löwenzahn fängt an zu blühen und die Speisemorcheln stehen bei den meisten auf dem Programm. Aber Morchelzeit ist auch Lorchelzeit, sowie momentan in Nordspanien. Hier wurden wunderschöne Lorcheln gefunden. Einmal wurden zahlreiche Exemplare der Helvella fusca gefunden und mehrere Fruchtkörper von der Helvella leucopus. Beide Arten sind in Deutschland sehr selten.

 

28.03.16 Nun geht es mit großen Schritten Richtung Frühling, die Wiesen, Gärten, Parkanlagen und Auwälder verändern sich jetzt täglich. Die Knospen von den Bäumen und Sträuchern sind nun auf und die Blätter wachsen nun rasend schnell. An Morchelstellen wachsen nun auch die Kräuter extrem schnell, sodass pünktlich zur Morchelzeit alles flächendeckend grün ist. So gehen denn auch erwachsende Menschen wieder wie die Kinder"Ostereier" suchen. Das Wetter ist sehr durchwachsen, Sonne, Wind und kleine Regenschauer wechseln sich ab, bei angenehmen 12 bis 17 Grad. Im Grunde ideale Bedingungen für die Frühlingspilze. Heute habe ich mich mit der ganzen Familie auf in den Auwald gemacht um zu schauen wie es um die Pilze steht. Es morchelt hier noch nicht, aber dutzende von köstlichen Morchelbecherlingen konnten wir finden, ca. 80 bis 120 Stück. Sie wuchsen teils büschelig aus den Boden, oft mehrere ineinander verwachsen. Sehr viele kleine Fruchtkörper stehen noch in den Startlöchern und werden in einer Woche wieder besucht.